Wir fragen – Huawei antwortet!

Nach dem großen zweistündigen HarmonyOS Launch-Event Anfang Juni, ließ uns CEO Richard Yu mit mehr Fragen zurück als vor der globalen Veranstaltung. Wie ist es beispielsweise bei einem nach wie vor bestehenden US-Embargo möglich, das für deutsche Verkaufsregale geplante Huawei MatePad 11 mit einem Snapdragon Prozessor des US-amerikanischen Chip-Hersteller Qualcomm auszustatten? Und was sind exakt die „bekannten Gründe“ die inzwischen mehrfach zu einem Verzug der Huawei P50 Series geführt haben? – Es hat ein wenig gedauert, doch nun haben wir Antworten bekommen und wollen die gern mit euch teilen.

 

Weiterhin ein bestehendes US-Embargo

Es ist keine leichte Zeit für Huawei – zumindest was den globalen Markt anbelangt. Der damalige US-Präsident Donald Trump wählte den bis dahin sehr erfolgreichen Telekommunikationsausrüster und Smartphone-Hersteller Huawei als Bauernopfer in seinem Handelskrieg gegen China aus. Es folgten 2019 aus Sicherheitsbedenken gegenüber dem Konzern eine Eintragung auf die berühmte Black List, gefolgt von der Entity List, über das Verbot mit US-Unternehmen Geschäfte zu betreiben, bis hin bei der Chip-Produktion im taiwanesischen TSMC-Halbleiterwerk keine US-Technologie verwenden zu dürfen. Also defacto keine HiSilicon Kirin-Prozessoren mehr. Zur Überraschung aller verfolgt aber auch der amtierende US-Präsident Joe Biden diese Philosophie, sodass Huawei nun zum Handeln gezwungen wurde.

Ein eigenes Plattform übergreifendes Betriebssystem musste her, welches man mit HarmonyOS relativ zeitnah für SmartHome- und IoT-Geräte geschaffen hatte. Am 2. Juni 2021 wurde dann die Verfügbarkeit auf Smartphones, Tablets und Smartwatches ausgebaut. Ein Betriebssystem, welches ersten Erkenntnissen zufolge auf Basis des Android Open Source Project funktioniert. Auch die passende Hardware hatte man auf dem Event mit dem MatePad 11, dem MatePad Pro 12.6 und der Huawei Watch 3 (Pro) parat. Nur die P50 Series wollte man nur mit einem schicken Video anteasern, aber noch nicht vorstellen.

Warum nicht? Wie ist es möglich, dass ein Snapdragon 865, beziehungsweise Snapdragon 870 Octa-Core-Prozessor verbaut sein darf, obwohl das doch genau laut US-Embargo untersagt ist? Gibt es Ausnahmen von denen wir nichts wissen? Wir haben nachgefragt. Hier sind 1:1 unsere Fragen und die entsprechenden Antworten des chinesischen Konzerns.

Fragen der GO2mobile-Redaktion:

  1. Wie ist es möglich das Huawei MatePad 11 in Deutschland mit einem Snapdragon 865 und woanders (laut Live-Übertragung) mit einem Snapdragon 870 Octa-Core-Prozessor von Qualcomm auszustatten, obwohl aktuelle US-Sanktionen gegen Huawei bestehen, die das verbieten?
  2. Gibt es eine gesonderte Lizenz und wenn ja welche Ausnahmen beinhaltet diese?
  3. Was sind die von CEO Richard Yu genannten „bekannten Gründe“, weswegen die Huawei P50 Series „nicht im Frühjahr“ veröffentlicht wurde?
  4. Wann wird die P50 Series nun veröffentlicht?
  5. Wann startet Huawei mit der Verteilung von HarmonyOS in Deutschland?

Antworten von Huawei:

Frage 1 & 2: Wir haben in der Vergangenheit und werden in der Zukunft mit Partnern zusammenarbeiten. An diesem Vorhaben halten wir fest.

Frage 3 & 4: Richard Yu hat beim Global Launch am 2. Juni 2021 das Thema um die HUAWEI P50 Serie adressiert und dazu alle wichtigen Informationen bereits genannt. Das Video ist auch nach wie vor im Re-Live anzuschauen: https://www.youtube.com/watch?v=UvQGDlrmpus

Frage 5: Vorerst erhalten die Mobilgeräte in China das Update zu HarmonyOS. Wir werden frühzeitig bekanntgeben, wann die Updates für Europa/Deutschland erhältlich sein werden.

Ich weiß ja nicht wie ihr das seht, aber ich bin nach den Antworten nicht einen Tick schlauer als vorher. Eine Erkenntnis ist, dass der Konzern nicht mehr sagt als er unbedingt muss. Zum Qualcomm-Prozessor hätte man sich ruhig äußern können, da dieser ja unweigerlich hierzulande in den Verkauf geht. Das man sich zur P50-Serie nicht vorzeitig äußert war abzusehen. Und zum Thema Update gibt es wahrscheinlich gar nicht soviel zu sagen.

Denn wie man bereits gegenüber der chinesischen Presse bekanntgegeben hat, bleiben alle Daten bei einem Wechsel von „Android“ zu „HarmonyOS“ erhalten. Alle Inklusive Anwendungen, Benutzerdaten, Passwörter und Spielstände. Auch die 100.000 Anwendungen der AppGallery sind nahtlos für HarmonyOS 2.0 verfügbar. Das macht deutlich, dass da nach wie vor nicht das Rad neu erfunden wurde. Dennoch hätte ich mir ein wenig mehr Transparenz gewünscht. Gerade wenn man aktuell um den globalen Kunden ein wenig kämpfen muss. Das macht Xiaomi ohne große Not bedeutend besser – siehe Petition. Vielleicht hat der Konzern aber auch schon den globalen Markt abgeschrieben und konzentriert sich auf 1,4 Milliarden potentielle Kunden im Heimatland.

[Quelle: Huawei]

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

2 Gedanken zu „Wir fragen – Huawei antwortet!

  • 13. Juni 2021 um 19:54
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    Vielleicht sollte man mal überlegen ob die USA und Joe Biden mit ihrer Politik und Maßnahmen (siehe G7-Treffen) doch nicht so daneben liegen.
    Da zeigt sich wieder einmal die Arroganz der Chinesen gegenüber der EU und der Bundesrepublik Deutschland. Solange sie abkassieren können sind wir die besten Freunde. Die haben keinerlei Skrupel uns ganz direkt ins Gesicht zu lügen!
    Ich kauf mir nie wieder ein Huawei-Smartphone.

    Antwort
  • 14. Juni 2021 um 13:36
    Permalink

    Für mich schaut das eher so aus, als ob die Fragen in China beantwortet und gar nicht richtig verstanden wurden.
    Da ist ja eigentlich keine Antwort die wirklich Bezug auf eure Fragen nimmt. Das wäre ja sonst schon eine echte Frechheit.

    Für mich ist Huawei ohne Google auch keine Option mehr. Habe mich jetzt für ein Xiaomi Mi 11 Lite entschieden.

    Antwort

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