Xiaomi 12 versus Xiaomi 12 Pro im Test der Kameras

Schauen wir uns die seit Anfang April erhältliche Xiaomi 12 Series an, dürfte dem geneigten Flaggschiffkunden die Wahl zwischen dem Xiaomi 12 und seinem großen Bruder dem 12 Pro schwer fallen. Beide mit einem Snapdragon 8 Gen 1 Octa-Core-Prozessor ausgestattet gibt es die Basis-Version ab 849 Euro und das Pro für 200 Euro mehr. Daher stellen wir einmal die Fakten gegenüber, mit einem verstärkten Fokus auf die beiden Triple-Kameras und deren Ergebnisse.

 

Man hat uns in Deutschland ein wenig zappeln lassen. Während die Xiaomi 12 Series im Heimatland China bereits im Dezember 2021 präsentiert wurde, gab es hierzulande den Launch-Event erst am 15. März 2022. Bis es dann auch im Handel ab 850 Euro für das Basis-Modell (8/128 GB) und 1.050 Euro für die Pro-Variante (8/256 GB) verfügbar wurden, vergingen dann noch einmal 14 Tage.

Nun hat der potentielle Kunde die Qual der Wahl. Das eine mit dem Maximum an möglicher Ausstattung, dafür aber auch ein wenig größer und teurer – das Andere deutlich handlicher, preiswerter und eine abgespeckte Hauptkamera. Zeit um die tatsächlichen Ergebnisse der Triple-Kamera unserer Probanden zu vergleichen. Vorher aber noch ein flüchtiger Blick auf die typischen Test-Kategorien.

Design und Verarbeitung des Xiaomi 12 und 12 Pro

Legt man die beiden Kandidaten nicht direkt nebeneinander, würde man keinen Unterschied erkennen. Doch während die Optik trügt, tut es die Haptik nicht. Das Xiaomi 12 ist mit seinen 152,7 x 69,9 x 8,2 Millimetern (180 Gramm) gegenüber den 163,6 x 74,5 x 8,16 Millimetern (205 Gramm) deutlich handlicher und angenehmer zu bedienen. Lediglich das Kamera-Array des Basismodells schaut ein wenig mehr aus dem Gehäuse. Könnte aber auch an dem Lederimitat (China-Version) unseres Pro-Modells liegen.

Die restliche Verarbeitung ist Xiaomi entsprechend hochwertig. Keine scharfen Kanten oder Tasten (wie ich woanders gelesen habe) und kein Knarzen oder sonstige Geräusche. Im Gegenteil, die Tasten sind optimal positioniert und lassen sich bei beiden Modellen gut erreichen.

Xiaomi 12 vs Xiaomi 12 Pro

Display

Hier stehen sich ein 6,28 Zoll und ein 6,73 Zoll großes AMOLED-Display gegenüber. Beide an den Seiten abgerundet, eine Bildwiederholrate von maximalen 120 Hertz und geschützt durch Corning Gorilla Glass Victus (Version 7). Die Touch-Abtastrate beträgt bei beiden 480 Hertz, bieten HDR10+, DCI-P3 und Dolby Vision. Natürlich wurden sie von DisplayMate mit einer „A+“-Wertung versehen. Gibt es außer der Diagonale noch einen Unterschied?

Ja, den gibt es. Zuerst wird euch vermutlich – jetzt wo wieder Sonnenstrahlen auf deutschen Boden fallen – die maximale Helligkeit auffallen. Das Xiaomi 12 bietet maximale 1.100 nits, was kein schlechter Wert ist. Doch maximale 1.500 nits des Pro-Modells sind deutlich besser. Weiterhin kann das teurere Xiaomi-Smartphone die Bildwiederholrate dank LTPO 2.0 die darzustellenden Bilder pro Sekunde automatisch regeln, was dem Energieverbrauch zu Gute kommt.

Die deutlich höhere Auflösung von 3.200 x 1.440 Pixel (WQHD+) wird das wohl nicht. Beim Zwölfer sind dagegen maximale 2.400 x 1.080 Pixel (FHD+) bei 419 ppi möglich.

Xiaomi 12 vs Xiaomi 12 Pro

Prozessor und Speicher

Beide bieten den aktuell noch schnellsten Octa-Core-Prozessor von Qualcomm. Gemeint ist natürlich im April 2022 der Snapdragon 8 Gen 1. Ob das wirklich so gut ist wage ich zu bezweifeln. Denn in unserem ersten Test des Xiaomi 12 Pro mit dem chinesischen ROM erhitzte der SoC (System on a Chip) nicht nur auf 47,3 Grad, sondern beim zocken von Real Racing 3 machte die CPU (Central Processing Unit) einfach mal hitzefrei und startet das Smartphone neu.

Inzwischen sind beide Smartphones mit einem deutschen ROM versehen (das Xiaomi 12 ist auch aus dem deutschen Handel). Das bringt den Prozessor zwar immer noch zum schwitzen, unterbricht den Betrieb aber nicht stressbedingt. Warum? Weil Xiaomi inzwischen softwareseitig ein sogenanntes „Thermal Throttling“ programmiert hat. Wird die CPU zu heiß, wird sie gedrosselt. Fragt man sich am Ende des Tages schon, wozu dann überhaupt den neuesten und teuersten Prozessor.

Speichertechnisch sind beiden Smartphones mit der identischen Technologie ausgestattet. LPDDR5 RAM und UFS-3.1-Programmspeicher. Für das Xiaomi 12 stehen optional 8/128 oder 8/256 GB zur Auswahl. Das Pro beginnt bei 8/256 GB und kann bei der 12/256 GB Variante sogar auf den minimal schnelleren LPDDR5X RAM zurückgreifen.

Eine optionale Speichererweiterung via microSD-Karte ist in beiden Fällen nicht möglich. Ist aber in der Flaggschiffklasse inzwischen gang und gäbe.

Akku

Hier sind die Unterschiede wieder deutlich geringer, wenngleich doch vorhanden. Die Basis bietet 4.500 mAh welche mit 67 Watt „SuperCharge“, 50 Watt „Wireless Charge“ und 10 Watt „Reverse Charge“ aufgeladen werden kann. Das Xiaomi 12 Pro kann dank „Surge P1“-Chip noch eine Schippe drauf legen. Der 4.600 mAh starke Akku lässt sich sogar mit 120 Watt „HyperCharge“ laden. Kabelloses und rückseitiges Laden sind leistungstechnisch identisch.

Sicherheit und Software

Auch hier nehmen sich die beiden Xiaomi-Kontrahenten nichts. Beide bieten einen Fingerabdrucksensor unter dem Bildschirm. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit das Device mit der Gesichtserkennung zu entsperren. Beide Möglichkeiten funktionieren schnell und zuverlässig.

Beim Thema Software gibt es ebenso keine Unterschiede. Bei beiden bildet Android 12 die Basis mit der MIUI 13 Benutzeroberfläche und dem Google Sicherheitsupdate vom März 2022 an Bord. Ein wenig unnötig empfinde ich die vorinstallierte Bloatware, zu der ich Netflix, TikTok, Amazon, Joom und YouTube Music zähle. In dieser Preiskategorie ist nun wirklich keine Subventionierung mehr nötig.

Der große Xiaomi 12 Pro Kameravergleich

Technische Daten der Hauptkameras

Unser Basismodell ist mit einer 50-Megapixel Hauptkamera ausgestattet. Ich weiß, das Pro auch – es sind dennoch zwei komplett verschiedene Kameras. Während das Xiaomi 12 auf einen 1/1.56 Zoll großen IMX766 Bildsensor von Sony mit einer maximalen Blende von f/1.88 setzt, darf es bei dem Pro ein 1/1.28 Zoll großer Sony IMX707 Imagesensor sein. Er bietet eine Blende von „nur“ f/1.9 was erst einmal auf dem Datenblatt schlechter aussieht.

Weiter geht es mit einer 13-Megapixel-Ultra-Weitwinkel-Kamera (OmniVision OV13B10) mit einem Sichtfeld von 123 Grad (f/2.2) und einer 5-Megapixel-Tele-Makro-Optik (Samsung S5K5E9) mit einer Blende von f/2.4 bei dem Grundstock-Smartphone. Das Pro hingegen kann gleich mit zwei weiteren 50-Megapixel auflösenden Sensoren auftrumpfen. Einmal ein Samsung ISOCELL JN1 für den Weitwinkel von 115 Grad (f2.2) und der identische Samsung-Sensor, jedoch hinter einer Telephoto- und Portrait-Optik mit einem 2-fachen verlustfreien Zoom, sowie einer äquivalente Brennweite von 48 Millimeter (f/1.9).

Optische Bildstabilisierung haben beide Hauptkameras gemein, ebenso einen Autofokus und 4:1 Pixel-Binning. Weiterhin sei noch erwähnt das beide Kameras dazu in der Lage sind Videoaufzeichnungen von bis zu 7.680 x 4.320 Pixel bei 24 Bilder pro Sekunde – also 8K aufzunehmen. Ebenso Slow-Motion-Videos bis zu 1.920 Frames per second. Das ist schon einmal eine Ansage und bietet schon einiges Potential für den professionellen Regisseur*innen und Kameramann/frau in euch.

Xiaomi 12 vs Xiaomi 12 Pro

Frontkamera

Beide Smartphones verfügen über eine 32-Megapixel-Frontkamera (f/2.45) oben mittig im Display (Punch Hole) positioniert. Als Sensor gibt es einen OmniVision OV13B40 mit einem maximalen Sichtfeld von 80,5 Grad. Auch hier gibt es zur Optimierung der Fotoergebnisse ein 4:1 Pixel-Binning. Auf einen Autofokus verzichtet das Unternehmen jedoch in beiden Fällen.

12

12 Pro

Tagesaufnahmen

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12 Pro


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12 Pro


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12 Pro

Weitwinkelaufnahmen

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12 Pro


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12 Pro

Nacht-Aufnahmen

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12 Pro


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12 Pro

Zoom-Aufnahme

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12 Pro


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12 Pro

Makro-Aufnahmen

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12 Pro

Kamera-Fazit

Ich muss gestehen, dafür das auf dem Datenblatt die beiden Triple-Kameras recht unterschiedlich dastehen, sind die Ergebnisse des Xiaomi 12 zum Pro bei Tageslicht nahezu gleichwertig. Teilweise wirken sie sogar ein wenig kontrastreicher, mit einer leichten Tendenz zu kräftigeren Farben.

Überrascht bin ich tatsächlich von den Weitwinkelaufnahmen. Hier habe ich fest mit weniger Schärfe an den Rändern gerechnet. Auch hier kann das Basismodell durchaus mit dem Pro konkurrieren. Bei den Nachtaufnahmen hingegen sieht man die Unterschiede am deutlichsten. Beide arbeiten mit einer optischen Bildstabilisierung, welche beim Xiaomi 12 ab und an versagte. Auch verwunderte bei den Aufnahmen die geringe Belichtungszeit. Wir hatten ja bei unseren Touren noch das Oppo Find X5 dabei, das deutlich länger für die Aufnahme und die folgende Berechnung brauchte. Der Vergleich dazu folgen hoffentlich bereits am kommenden Wochenende.

Zu guter Letzt folgen noch die Zoom- und Makro-Aufnahmen. Ich muss gestehen das mir fast die Ergebnisse des Zwölfer besser gefallen Und dass obwohl das Smartphone mit einer 5-Megapixel-Telekamera deutlich schlechter dasteht. Das kommt im Grunde nur bei den Makroaufnahmen zum Vorschein, die mir eigentlich durchweg bei dem Pro besser gefallen. Dabei hat das gar keinen Makro-Modus. Die Bilder wurden einfach nur im „normalen“ Modus mit einer Vergrößerung unter dem Faktor Zwei gemacht, da sonst von optisch auf digital umgeschaltet wird.

Xiaomi 12 vs Xiaomi 12 Pro

Pro und Contra

Pro

  • Gutes dynamisches Display
  • Stereo-Sound by Harman Kardon
  • Gutes Energie-Management
  • IR-Blaster
  • Schneller SoC
  • (12) Die Kamera macht überraschend gute Fotos

Contra

  • Keine offizielle IP-Zertifizierung
  • Prozessor neigt zu Hitzewallungen
  • Keine optionale Speichererweiterung
  • (12 Pro) Kamera-Ergebnisse nur oberer Durchschnitt
  • vereinzelte Bloatware

Das Fazit des Xiaomi 12 und Xiaomi 12 Pro

Es klingt fast schon ein wenig lächerlich, ist aber nicht so gemeint. Der Hauptgrund, warum ich euch zu dem Xiaomi 12 und nicht zu dem Pro rate, ist die Größe. Auch wenn eine Diagonale von 6,28 Zoll nicht wirklich klein ist. Im Vergleich zu dem was sonst mit einem Snapdragon 8 Gen 1 unterwegs ist aber schon. Der Mehrwert ist ansonsten für mich persönlich zu gering, als dass sich die Investition von 200 Euro lohnen.

Auch beim Basismodell stimmt das Display, die Akkuleistung und überraschenderweise auch die Triple-Kamera, obwohl diese auf dem Datenblatt deutlich schlechter da steht. Doch unterm Strich betrachtet hat es Xiaomi für mich mit dem Preis übertrieben. Der Einstieg beginnt bei 850 Euro. Das sollte man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Nur wegen dem Flaggschiff-Prozessor der am Ende eh gedrosselt werden muss. Da würde ich persönlich eher zu einem Smartphone der oberen Mittelklasse greifen. Aber hier scheiden sich vermutlich die Geister. Ein Blich wäre vielleicht auch das Motorola Edge 30 Pro wert, welches nicht nur 50 Euro günstiger ist, sondern auch speichertechnisch besser dasteht.

Post scriptum:

Xiaomi 12 vs Xiaomi 12 Pro vs Oppo Find X5

Wie ihr vermutlich am Titelbild bereits erkannt habt, hatten wir auf unserer Foto-Safari auch das Oppo Find X5 dabei. Es ist praktisch das Oppo-Pendant zur Xiaomi 12 Series. Nämlich das Basismodell. Auch das werden wir mit dem Xiaomi 12 kameratechnisch vergleichen. Wir versuchen das bereits kommendes Wochenende entsprechend zu realisieren.

Oppo Find X5 im Test: Ist teuer auch immer besser?

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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