Xiaomi 12 Pro im Test: sind 3x 50 MP genug?

Das Xiaomi 12 Pro ist das Flaggschiff der drei am 28. Dezember in China vorgestellten Kandidaten. Hierzulande müssen wir uns nach aktuellen Kenntnisstand noch bis zum 16. März auf das Trio gedulden. Wir haben unser Modell mit der freundlichen Unterstützung von TradingShenzhen erhalten, einem der zuverlässigsten Importhändler, welcher uns bekannt ist. Demzufolge ist unser Testkandidat auch mit einem „China-ROM“ ausgestattet, dass sich unter Umständen ein wenig zum EU-Modell unterscheiden kann.

 

Xiaomi 12 Pro im Review

Wir freuen uns als einer der ersten deutschsprachigen Redaktionen das Xiaomi 12 Pro in Empfang nehmen zu können. TradingShenzhen war hier der verantwortliche Dealer, der uns das Flaggschiff mit dem chinesischen Original-ROM und mit schicker Kunstleder-Rückseite hat in die GO2mobile-Redaktion kommen lassen. Das Flaggschiff ist für uns das erste Modell mit dem nagelneuen Snapdragon 8 Gen 1 Octa-Core-Prozessor und einer auf dem Datenblatt beeindruckenden 50-MP-Triple-Kamera. Soll heißen, alle drei Akteure besitzen einen 50 Megapixel auflösenden Sensor.

Zwar sollte der Test bereits am vergangenen Wochenende online gehen, doch da ereilte uns die Nachricht, dass das EU-ROM für das 12 Pro fertig sei. Das wollten wir natürlich unbedingt in unserem Test mit drin haben. Aber bis jetzt keine deutschsprachige Firmware, sodass wir diese Erkenntnisse noch einmal in einem separaten Beitrag nachreichen werden.

Wie bei jedem unserer Tests wird das Flaggschiff-Smartphone zuerst einmal vor laufender Kamera ausgepackt.

Design und Verarbeitung

Ich denke bei einem Hersteller wie Xiaomi, der nicht nur dafür bekannt ist zu relativ kurzfristigen Terminen uns mit neuen Smartphones zu beglücken, sondern auch beim Thema Verarbeitung für Qualität bürgt, bedarf es zu diesem Thema keiner zusätzlichen Kommentare. Wenn doch, so ist natürlich auch im Fall des Xiaomi 12 Pro diese als durchaus hochwertig zu beurteilen.

Wie schon informiert, haben wir uns für die grüne (Forest Green) Kunstleder-Rückseite entschieden. Doch wie schon auf dem Unboxing-Video oder den ersten Fotos zu erkennen, ist der Farbton kaum als „grün“ auszumachen. Es ist eher etwas pastellfarbenes, was vermutlich bei der weiblichen Fraktion mehr Gefallen finden dürfte. Ich persönlich würde mir diese Farbe zumindest nicht zwingend gönnen. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Zumindest bietet das Imitat einen guten und sicheren Grip.

Das Xiaomi 12 Pro sieht vom allgemeinen Design dem Basismodell sehr ähnlich. Nur im direkten Vergleich werden die Größenunterschiede deutlich. Mit 163,6 x 74,5 x 8,16 Millimeter ist es in der Höhe etwas mehr als einen Zentimeter „länger“ als das Modell ohne Pro. Das macht sich auch bei dem Gewicht von 205 Gramm deutlich. Hier gibt es in der Standard-Variante gerade mal 180 Gramm zu stemmen.

Xiaomi 12 Pro im Review

Den kantigen Kamerabump haben aber wieder beide Modelle gemein. Aus dem steht die obere der drei 50-Megapixel-Optiken noch einmal zusätzlich raus. Jedoch ist das gesamte Array nicht so massiv wie bei dem Xiaomi MIX 4 aber ähnlich dem OnePlus 9 Pro (zum Test). Um auf die Rückseite auf den Schreibtisch gelegt und gleichzeitig auch bedient zu werden, lädt dieses Array nicht ein.

Auf der rechten Seite befinden sich gut im Aluminiumrahmen positioniert die Power- und Standby-Taste, darüber die Lautstärkewippe. Das 12 Pro bietet Stereo-Lautsprecher von Harman Kardon, mit einem meiner Meinung nach durchschnittlichen Sound. Hier will ja Xiaomi angeblich mit Hoch- und Niederfrequenz-Speaker gearbeitet haben – also insgesamt vier Lautsprecher. Tatsächlich höre ich davon aber im Vergleich zum Vorgänger nichts raus. Im Gegenteil: ich finde die maximale Lautstärke ein wenig geringer. Durch Dolby Atmos und dem integrierten Equalizer lässt sich aber an dieser Stelle auch für die Lautsprecher noch ordentlich was raus holen. Ungewöhnlich – der untere Lautsprecher befindet sich auf der rechten Seite, während der Obere auf der linken Seite positioniert ist. Das bedeutet im Quermodus – wie beispielsweise beim Zocken – wird immer einer der beiden Lautsprecher zu gehalten.

Positiv möchte ich aber auf jeden Fall noch hervorheben, dass wir beim Pro – und auch nur da – eine IP67-Zertifizierung gegen das Eindringen von Staub und Wasser haben. Diese gehört bei chinesischen Smartphones nicht selbstverständlich zur Standardausstattung. Der Infrarot-Blaster an der Oberseite hingegen schon eher. Allerdings stammt diese Info der Zertifizierung nur von dem chinesischen Launch. Schriftlich habe ich darüber bislang nichts gefunden. Sprich das Datenblatt auf der Xiaomi-Homepage liefert keine Zertifikation. Also sag ich mal unter Vorbehalt. (Update 20/02: Das Xiaomi 12 Pro hat keine IP-Zertifizierung)

Display

Das Xiaomi 12 Pro hat ein 6,73 Zoll großes E5-AMOLED-Display von Samsung verbaut. Es ist seitlich abgerundet. Aber wirklich nur minimal. Also nicht in einer Gradzahl die dazu führen könnte das es zu Fehleingaben oder Reflektionen an den Rändern führen könnte. Wenn doch gibt es eine individuelle Einstellung für die Randerkennung.

Die maximale Auflösung beträgt auf Wunsch 3.200 x 1.440 Pixel (WQHD+) bei 522 ppi. Auch hier kommt die LTPO-Technologie in der Version 2.0 zum Einsatz. Das bedeutet unter anderem das die Bildwiederholrate variable, beziehungsweise automatisch von 1 bis 120 Hertz eingestellt werden kann. Das kann und sollte natürlich erhebliche Vorteile bei dem Energie-Haushalt geben.

Xiaomi 12 Pro im Test

Selbstredend ist bei dem überragenden Display – und genau das ist es auch was Farbdynamik, Kontrast und Blickwinkel-Stabilität anbelangt – auch die maximale Helligkeit amtlich. Xiaomi gibt 1.500 nits an. Die haben wir im Testlabor nicht reproduzieren können, sind aber mit 780 nits auch recht gut im Rennen was die Konkurrenz anbelangt. Angeblich lassen sich die Werte eh nur im Automatikmodus und im direkten Sonnenlicht reproduzieren. Ist gerade bei dem Wetter schwierig.

Auch die 480 Hertz Touch-Abtastrate sind amtlich und bewegen sich zwischen einem Flaggschiff und einem Gaming-Smartphone. Die Existenz eines Always-on-Display bedarf eigentlich keine Erwähnung, in unserem Fall aber doch, da bereits die neuen MIUI 13-Features und Themen unterstützt werden. Dazu aber später mehr. Das Panel ist durch Corning Gorilla Glass Victus (7. Generation) geschützt. Nach dem Launch der Samsung Galaxy S22 Series ist das nicht das Allerneueste. Denn das heißt nun Victus+. Natürlich fand auch DisplayMate den Bildschirm spitze und gaben ihre „A+“-Note. Und in der Tat – das ist es auch.

Xiaomi 12 Pro im Test

Prozessor und Speicher

Das Xiaomi 12 Pro hat als eines der ersten Smartphones am Markt den im Dezember 2021 auf Hawaii präsentierten Snapdragon 8 Gen 1 Octa-Core-Prozessor an Bord. Zwar hat man sich diesmal nicht den Titel „Erster Hersteller“ einverleiben können, da recht unerwartet Motorola mit dem Moto Edge X30 schneller war, ist am Ende aber eigentlich auch eher sekundär.

Ich muss gestehen, das ich gewisse Vorbehalte gegenüber den leicht modifizierten SoC (System on a Chip) hatte. Mir erschienen die tatsächlichen Veränderungen nicht ausreichend genug für eine neue Generation. Dazu zählen ein noch kleinerer Fertigungsprozess von nur 4 Nanometer, was nicht zwingend von Vorteil sein muss. Klar, es gibt mehr Platz im Smartphone. Aber auch die Gefahr einer starken Hitzeentwicklung wird dadurch gesteigert. Von daher war ich schon sehr auf diesen Test gespannt.

Der aktuell neueste Snapdragon bietet einen ARM Cortex-X2 mit maximale 2,995 GHz. Er ist praktisch der Powerkern der immer zum Einsatz kommt, wenn ordentlich Performance benötigt wird. Zur Unterstützung auf diesem Sektor gibt es noch drei Cortex A78-Kerne. Diese bieten eine maximale Taktrate von 2,5 GHz. Um den Stromverbrauch gering zu halten gibt es noch vier weitere Cortex A55 Cores die auf 1,8 GHz getaktet sind. Das ist in der Tat nur ein geringfügiger Unterschied zu dem Vorgänger, dem Snapdragon 888, beziehungsweise seinem gepimpten Plus-Modell.

Grafisch steht dem Qualcomm-Prozessor eine Adreno 730 GPU zur Seite. Sie soll laut Hersteller eine Leistungssteigerung von 20 Prozent zum 888 abliefern. Nicht dem Snapdragon 888 Plus. Marketingtechnisch auch nicht schlecht.

Gerade auf dem Gebiet wird man genauer hinschauen müssen, da Samsung hier mit dem Exynos 2200 und der AMD RDNA 2-Architektur Neuland betritt. Erste Vergleichstest – bei denen man zu einem so frühen Zeitpunkt aber noch vorsichtig sein muss – lassen den neuen Snapdragon-SoC gerade im Vergleich mit dem Dimensity 9000 von MediaTek nicht sonderlich gut dastehen. Vermutlich ein Grund warum bereits schon Smartphones mit einem Snapdragon 8 Gen 2 geleakt wurden.

Also die üblichen Verdächtigen wie den AnTuTu-Benchmark, ein CPU-Stresstest und noch was alltagstypisches wie Real Racing 3 installiert.

CPU Throttling Test
CPU Throttling Test
Entwickler: Unbekannt
Preis: Kostenlos
Real Racing 3
Real Racing 3
Entwickler: ELECTRONIC ARTS
Preis: Kostenlos+

AnTuTu hatte sich gleich mal verabschiedet. Heute Hitzefrei oder so ähnlich. Ob das nun unmittelbar mit der Kunstlederrückseite zusammen hängt? Das hatte ich ja in der Tat schon ewig nicht mehr. Dabei wirbt der chinesische Erfolgshersteller von einem intelligenten Temperaturkontrollsystem der 2. Generation. Ultradünnes VC-Flüssigkeitskühlmaterial mit einer Fläche von 2.900 mm² soll verbaut sein.

Der Stresstest peitscht unsere FLIR-Kamera des CAT S62 Pro (zum Test) auf 47,3 Grad! Leute holt die Würstchen raus – es wird gegrillt. Spaß beiseite, das ist natürlich absolut indiskutabel. Klar handelt es sich hier um kein Gaming-Smartphone. Dafür gibt es ja das Redmi K50 in der Gaming Edition welches am 16. Februar offiziell vorgestellt wird. Oder noch besser das Black-Shark-Label. Doch es ist schon recht ärgerlich wenn man auf Silverstone gerade am überholen ist und dann das Smartphone einfach mal abschaltet.

In der Regel würde das Xiaomi softwareseitig regeln und den Prozessor ab einer gewissen Gradzahl drosseln. Das Ding ist, das passiert schon. Ihr verliert also schon Performance wenn sich der Prozessor zu sehr erhitzt. Da stellt man sich schon die Frage, wozu die „Mehrpower“ denn wirklich sinnvoll ist. Am Ende doch nur für einen kurzen Benchmark im ewigen Wettstreit mit der Konkurrenz. Mal schauen wie sich das Thema entwickelt. Das 12 Pro ist zumindest für Gamer aktuell ein No-Go!

Speicher

Zumindest in China gibt es das Xiaomi 12 Pro in unterschiedlichen Speicherkonfigurationen. Da steht zum einen wahlweise 8 oder 12 GB LPDDR5 Arbeitsspeicher und 128 oder 256 GB interner UFS-3.1-Programmspeicher zur Auswahl. Da es keine Möglichkeit zur Erweiterung via microSD-Karte gibt, haben wir uns für die maximale Ausstattung entschieden.

Die Lese- und Schreibrate beträgt 1.459/643 MB/s. Das sind keine neuen Rekordwerte, war aber auch nicht zu erwarten. Dennoch der schnellste Speicher am Markt, um hier keinen falschen Eindruck zu erwecken. Sowohl bei Installationen und Ausführung von Anwendungen traten zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Probleme auf. Mehr zu dem Thema bei der Kategorie „Sicherheit und Software“. Erfreulich wäre gewesen, wenn Xiaomi bei einem Pro-Modell auch dem Kunden das Gefühl vermittelt auch ein Premium-Gerät in den Händen zu halten. Angesichts der Konkurrenz, welche inzwischen auch Smartphones mit 1 TB verkauft – und ich rede nicht nur von Apple – wären auch 512 GB drin gewesen. Ob man es tatsächlich braucht steht auf einem anderen Blatt. Aber es fehlt mit bei der Differenzierung, was bei der Kategorie Kamera noch einmal wesentlich deutlicher zum Tragen kommt.

Kamera des Xiaomi 12 Pro

Das Xiaomi 12 Pro hat zumindest auf dem Datenblatt eine Triple-Kamera mit 3 x 50 Megapixel verbaut, welche die Ansprüche an die Fotoqualitäten natürlich schon auf dem Datenblatt unweigerlich in die Höhe schnellen lassen. Im Detail fällt die ganz oben positionierte Hauptkamera schon durch ihre große Optik auf. Automatisch wachsen damit auch die Ansprüche.

In der Kategorie Design bereits vermerkt, dass sie noch weiter aus dem Gehäuse ragt, als ihre beiden darunter vertikal angeordneten Kollegen. Xiaomi verbaut hier einen 1/1,28 Zoll großen Sony IMX707 Sensor mit einer Blende von f/1.9. Die größere Bautiefe ermöglicht am Ende sieben verbaute Linsen mit einer äquivalenten Brennweite von 24 Millimetern. Gerade bei der Primärkamera immer gern verwendet, ein 4:1 Pixel-Binning für ein farb- und kontrastreicheres Ergebnis. Natürlich gibt es auch hier eine optische Bildstabilisierung.

Für die weiteren beiden Bildsensoren verbaut Xiaomi in dem 12 Pro zwei ISOCELL JN1 von Samsung. Allgemein gilt der Kamerasensor mit seinen 0,64 Mikrometern als besonders klein und flach. Die mittlere Optik bietet ebenfalls eine Blende von f/1.9 und soll mit fünf verbauten Linsen und einer äquivalenten Brennweite von 48 Millimetern hauptsächlich für Portrait-Aufnahmen dienen. Jene Kamera ist es auch, welche Zoom-Aufnahmen tätigt, welche bis zu einer zweifachen Vergrößerung ohne Verluste aufgenommen werden können.

Frontkamera

Auf der Front bekommen wir oben mittig eine 32-Megapixel-Punch-Hole-Kamera. Ihre Blende beträgt typische f/2.45. Als Sensor setzt Xiaomi einen OmniVision OV13B40 ein. Hier beträgt das maximale Sichtfeld 80,5 Grad. Auch hier gibt es zur Optimierung der Fotoergebnisse ein 4:1 Pixel-Binning. Auf einen Autofokus verzichtet das Unternehmen hier jedoch. Das erkennt man auch auf den Aufnahmen. So richtig scharf wird es nur selten. Dennoch können 32 Megapixel natürlich eine Menge wettmachen. Ein Foto in das direkte Sonnenlicht kann das Xiaomi 12 Pro jedoch nicht, wie Samsung bei der Präsentation der Galaxy S22-Serie eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Tagesaufnahmen

Bei ausreichend Tageslicht macht die 50-MP-Triple-Kamera einen guten Dienst. Überkolorierte Fotos gehören der Vergangenheit an. Ich würde dazu tendieren die Aufnahmen als sehr farbrealistisch zu bezeichnen. Zugegeben, die Motive sind der aktuellen Jahreszeit geschuldet. Das Grau in Grau lässt auch bei der nachträglich bei der Begutachtung der Fotos ein wenig Melancholie verspüren.

Dennoch gab es hier und da ein wenig Farbe im tristen Berlin zu entdecken. Auch Aufnahmen mit viel Bildtiefe bleiben bei Vergrößerung am PC-Monitor noch recht detailliert und kontrastreich.

Nacht-Aufnahmen

Hier haben ich tatsächlich eine kleine Überraschung erlebt. Nachtaufnahmen scheint die Paradedisziplin des 12 Pro zu sein. Endlich bleibt ein dunkler Himmel auch dunkel und mutiert nicht zu einer Tagesaufnahme. In meinen Augen war das was auch andere Hersteller da abgeliefert haben derart unrealistisch. Gern im Pro-Modus – über den das 12 Pro ebenfalls mit vielfältigen Einstellungen verfügt – aber bei ganz „normalen“ Nachtaufnahmen möchte ich genau das auf meinen Bilddokumenten festhalten, was ich gesehen habe. Hier also ein phattes Lob an die Verbesserungen.

Zoom-Aufnahme

Eben noch über den Klee gelobt, muss das Xiaomi-Smartphone an dieser Stelle maximale Kritik einstecken. Vergrößerungen sind maximal 2-fach ohne Einschränkungen möglich, dann aber auch nur mit der Portraitkamera. Also auch dem entsprechenden Modus in der Software der Kamera. Komplett sinnfrei. Zoomen im Normal-Foto-Modus ist eine Frechheit in meinen Augen. Das fiel gerade im Vergleich mit dem Oppo Find N auf (siehe Kamera-Fazit). Die maximale (digitale) Vergrößerung beträgt 20-fach. Das Ergebnis erinnert eher an Kunst als an ein Zeitdokument. Auch der „Super Moon“-Modus konnte trotz Vollmond nicht annähernd überzeugen.

Makro-Aufnahmen

Das Xiaomi 12 Pro und deren Kamera haben keinen Zoom-Modus und auch keine entsprechende Kamera. Mich persönlich ärgert das schon, weil ich gern im Pflanzenbereich diese Art der Aufnahme genutzt habe und mich über besondere Werke noch heute erfreue. Ist dann mit dem 12 Pro eher so semiprofessionell wenn man eine Mischung aus Normal-Modus mit einem Hauch von Vergrößerung findet.

Kamera-Fazit

Wer den Test des Oppo Find N gelesen hat, wird bereits mein Dilemma kennen. Ich hatte bei dem Foto-Test für das Foldable gerade kein anderes Vergleichsgerät zur Hand, als das Xiaomi 12 Pro. Das war im Grunde ein großer Fehler, weil ich jetzt weiß das die Ergebnisse der Oppo-Kamera um Welten besser sind. Und zwar auf nahezu allen Gebieten. Wer will überzeugt sich HIER<– selbst einmal.

Natürlich sind die Ergebnisse nicht grottenschlecht, aber im Vergleich zum Oppo schon schlechter. Außer bei Nachtaufnahmen, da konnte eindeutig das Xiaomi punkten. Unterm Strich hätte ich einfach von einem Pro-Smartphone einfach mehr erwartet. Aber hier muss der Konzern inzwischen Reserven für ein Pro+ und Ultra machen. Auf meine Gegenliebe trifft diese Strategie nicht.

Einen Punkt möchte ich jedoch nicht unterschlagen und das scheint auch die Ausrichtung des Xiaomi 12 zu sein. Die Videokamera vermag schon einiges zu leisten. Zugegeben werden 8K-Videoaufnahmen noch nicht flächendeckend unterstützt, doch gerade für die Postproduktion ist eine derart hohe Auflösung ein unschätzbarer Mehrwert. Auch die ganzen Video-Features bekräftigen mich in meiner Vermutung, dass Xiaomi seine Zielgruppe bei Influencern, TikToker und den YouTubern sieht.

Akku

Das Xiaomi 12 Pro hat einen 4.600 mAh starken Akku verbaut. Bedingt durch seine allgemeine Größe waren meine Erwartungen jedoch etwas höher angesiedelt, als etwas mehr wie zusätzliche 100 mAh zum kleineren Basismodell. Könnte aber auch dem neuen Ladestandard geschuldet sein, der augenscheinlich nur dem Pro-Modell zur Verfügung steht. Jetzt werden einige aufschreien und zu Recht bemängeln, das 120 Watt HyperCharge bei Xiaomi bereits schon mit dem von uns getesteten Mi 10 Ultra möglich war. Ja – aber seinerzeit verwendete man eine Technologie, welche den Akku in zwei physische Elemente teilte.

Xiaomi Mi 10 Ultra im Test

Nun ist es wieder „nur“ ein Akku, was dank neuen „Surge P1 Chip“ als Fortschritt zu bezeichnen ist. Xiaomi verspricht den Akku binnen 15 Minuten von 0 auf 100 Prozent zu Laden und die Temperatur dennoch auf geschmeidige 37 Grad zu halten. Yupp – das verändert alles! Naja, ganz so dramatisch nicht, aber das Laden ist bei der Smartphone-Nutzung schon ein elementarer Baustein. Ich würde sogar so weit gehen und von einem der wichtigsten Kaufkriterien sprechen. Aber reden wir nicht um den heißen Brei herum.

Wir testen das Xiaomi 12 Pro

Eine Nutzung mit einer Akku-Ladung über zwei Tage hinweg gibt es mit dem 12 Pro nicht. Aber wie eingeleitet dürfte sich hier beim Besitzer ein anderes Verhalten etablieren. Denn ein kurzer 10 Minuten Schub mit dem im Lieferumfang befindlichen 120-Watt-Warpkern katapultiert eure Anzeige von 0 auf 70 Prozent. Es ist also das typische „über Nacht Laden und damit dann über den Tag kommen“ gar nicht mehr notwendig. Die Energie geht zu neige? Kurz für 5 Minuten an der Steckdose genuckelt und weiter geht die wilde Fahrt. Ebenfalls sehr erfreulich das Xiaomi kabelloses Laden mit 50 Watt anbietet. Anderer Verkehrsteilnehmer können genauso via Reverse Charge mit 10 Watt Energie versorgt werden.

Noch zwei Sätze zu der Energieversorgung. Das schnelle Laden erfolgt beim Xiaomi 12 Pro in zwei Geschwindigkeiten. Will heißen: den vollwertigen HyperCharge muss man erst in den Einstellungen aktivieren. Ich habe aber aus internen Kreisen gehört, dass dies via Softwareupdate wieder geändert werden soll. Was also am Ende hierzulande erscheint, können wir hoffentlich bald mit einem EU-ROM testen.

Wir testen das Xiaomi 12 Pro

Weiterhin ist zu bemerken, dass der Versuch das Netzteil aus Umweltgründen nicht mehr beizulegen, grundlegend gescheitert ist. Der Aufschrei nach einer besseren Umwelt ist im Allgemeinen groß. Am Ende ist sich aber jeder selbst der Nächste, sodass eine derartige Sparmaßnahme bei einem derart „teuren“ Flaggschiff-Smartphone vom Endverbraucher nicht toleriert wird. Apple und Samsung hingegen ziehen das nach wie vor eisern durch. Klar – der eine Monopolist und der Andere die ewige Nummer Eins.

Sicherheit und Software

Wir testen das Xiaomi 12 Pro

Das Xiaomi 12 Pro ist mit einem Fingerabdrucksensor unter dem Display ausgestattet. Dieser funktioniert gewohnt schnell und zuverlässig. Eine kleine Besonderheit weist dieser aber dennoch auf. In Kooperation mit der App „Health“ bietet er die Möglichkeit die Herzfrequenz zu messen. Im Vergleich zu einer Mobvoi TicWatch Pro 3 Ultra (zum Test) auch ziemlich genau.

Selbstredend ist auch alternativ oder zusätzlich der Gesichtsscan über die Frontkamera eine Alternative das 12 Pro zu Entsperren. Auch hier gab es mit der MIUI 13 eine Optimierung im Verfahren der Erkennung, welche nun auch den Oberkörper detektiert. Weiterhin lässt sich eine schnelle Reaktion und gute Genauigkeit attestieren.

 

Zum Zeitpunkt des Tests ist auf unserem Device die hauseigene Benutzeroberfläche MIUI 13.0.21 auf Basis von Android 12 installiert. Das letzte Sicherheitsupdate aus Mountain View stammt vom 1. Dezember 2021. Könnte als auch mal so langsam ein Update vertragen. In der Regel gibt es aber auf dem Sektor – zumindest bei den hochpreisigen Smartphones – bei Xiaomi keine Probleme.

 

MIUI 13 bringt einige Veränderungen mit sich, die bereits an anderer Stelle umfangreich thematisiert wurden. Zumal sich hier die chinesische und globale Variante noch einmal eklatant unterscheiden was beispielsweise die neuen großen Widgets anbelangt. Auf diese Thematik werden wir bei unserem kleinen „Folgetest“ mit einem globalen Xiaomi 12 Pro noch einmal detaillierter eingehen.

Mit der MIUI kommt beispielsweise „Liquid Storage“. Eine Art Optimierung der Datenfragmentierung. Im Laufe eines Smartphones-Lebens wird der Speicher recht häufig überschrieben, was das System nach knapp 35 Monaten bis 50 Prozent verlangsamen kann. „Liquid Storage“ soll das bis zu 95 Prozent verhindern. Generell wurde das Management der Hintergrundprozesse bei MIUI 13 verbessert, was der Anwender auch unmittelbar zu spüren bekommt.

Sowohl der SafetyNet Test, als auch der DRM-Test bestätigen Widevine Level 1 und somit Amazon Prime Video und Netflix in Full HD zu konsumieren, als auch ganz im Zeichen der COVID-19-Pandemie, kontaktloses Bezahlen via Google Pay via NFC (Near Field Communication). Auch der in Kooperation mit Qualcomm entstandene „Game Turbo“ ist wieder an Bord. Die App ermöglicht euch nicht nur während des Zocken wichtige Informationen oder Aktionen auszulösen, sondern auch eine Art Manipulation der CPU (Central Processing Unit).

Pro und Contra

Pro

  • Überragendes E5-Display
  • Beste Performance
  • Schnellstes Laden ever
  • MIUI 13
  • 120W-Netzteil liegt bei
  • 8K-Video

Contra

  • Triple-Kamera bleibt hinter den Erwartungen
  • Kein Band 20 (China-Version)
  • Snapdragon 8 Gen 1 ist ein 3ster Hitzkopf
  • zu wenig Speicher nach oben hin
  • Keine IP-Zertifizierung

Das Fazit des Xiaomi 12 Pro

Wir testen das Xiaomi 12 Pro

Das Xiaomi 12 Pro ist samt seiner Kollegen noch nicht in Deutschland angekommen, sodass die heutige Beurteilung unabhängig der deutschen Preisgestaltung und dem Global-ROM stattfindet. Das ist aber in der Regel eines der wichtigsten Kriterien für oder gegen eine Kauf-Empfehlung. In sofern wird es bei Release eines globalen 12 Pro noch einen ergänzenden Artikel geben.

Also unabhängig des aktuellen maximalen Preises von 900 Euro* bei unserem Sportsfreund TradingShenzhen, hat Xiaomi wieder einmal eines der besten (Samsung) Displays verbaut, das keinerlei Konkurrenz zu fürchten braucht. Auch beim Thema Akku-Management kann man dem chinesischen Unternehmen nur gratulieren. Nicht unbedingt durch lange Laufzeiten, sondern einer Disziplin bei der lange Zeit OnePlus das Maß aller Dinge war. Mit dem neuen „Surge P1 Chip“ ist extrem schnelles Laden möglich, sodass die Frage nach der Haltbarkeit einer vollen Akku-Ladung inzwischen unwichtig geworden ist .

Bei der verbauten Technik, wie dem Prozessor und Speicher greift der Konzern für das Xiaomi 12 Pro wieder einmal in das oberste Regal. Leider frage ich mich ob der Snapdragon 8 Gen 1 wirklich noch sein muss. Denn seine Innovationskraft ist nur noch schwer erkennbar. Hinzukommt dass zumindest in unserer Ausbaustufe er zuweilen auch überhitzt und das Gerät ausschaltet. Auch gern einmal im Spiel und ohne Rücksicht auf Verluste.

Wir testen das Xiaomi 12 Pro

Wirklich enttäuscht waren wir jedoch von den Qualitäten der 3x 50-Megapixel-Hauptkamera. Versteht mich nicht verkehrt, die Fotos für sich allein betrachtet erzielen gute bis sehr gute Ergebnisse. Aber im Vergleich mit der Kamera des Oppo Find N Foldable, welche wir nun einmal erstellt hatten, waren wir schon ein wenig bekümmert, dass sich die Hauptkamera des Xiaomi 12 Pro da hinten anstellen muss.

Generell fehlen mir die klassischen Merkmale eines Pro-Modells. Kunststück – muss Xiaomi doch noch signifikante Merkmale für ein Xiaomi Pro+ und Ultra in Reserve haben.

*Hinweis: Der Artikel beinhaltet Affiliate-Links zu Händlern. Bei einem Kauf eines Geräts über einen solchen Link unterstützt ihr GO2mobile. Für euch entstehen dabei keine zusätzlichen Kosten.
Test Xiaomi 12 Pro
  • 6.8/10
    Hardware - 6.8/10
  • 8.9/10
    Verarbeitung - 8.9/10
  • 8.2/10
    Software - 8.2/10
  • 9.5/10
    Performance - 9.5/10
  • 8.2/10
    Kamera - 8.2/10
  • 9/10
    Akku - 9/10
  • 9.1/10
    Preis/Leistung - 9.1/10
8.5/10

Kurzfassung

Wer hätte es gedacht: Wir sind regelrecht enttäuscht von dem Xiaomi 12 Pro. Das überragende 6,73 Zoll große E5-AMOLED-Display von Samsung ist sicherlich kein Grund dafür. Vielmehr ist wie erwartet der nagelneue Snapdragon 8 Gen 1 ein echter Hitzkopf und kann das Device auch schon mal wegen Überhitzung schließen. Wesentlich dramatischer finde ich jedoch die enttäuschenden Ergebnisse der 3x 50 MP Hauptkamera. Für ein Pro-Modell zu wenig Fortschritt gegenüber dem Vorgänger.

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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