Warum Apple und HTC ein Patentabkommen geschlossen haben könnten

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Gestern überraschten die beiden Konzerne Apple und HTC mit einer Nachricht, die als eine wirkliche große Wende im anhaltenden Patentkrieg gelten kann. Für die Dauer von 10 Jahren stellen sich beide Unternehmen ihre jeweiligen Patente zur Verfügung, was auch alle anhaltenden Patentstreitigkeiten beendet. Die Frage die sich da automatisch stellt: Wieso es so plötzlich zu diesem Schritt gekommen ist.

Genaue Details zu dem Deal sind zwar nach wie vor nicht bekannt aber das Geld geflossen ist, steht aber außer Frage. Das hat HTC höchstselbst durchblicken lassen, da der Deal keine „finanziell negativen Auswirkungen“ haben wird. Indirektes eingestehen einer Lizenzzahlung also. Könnte man aber auch als „Flucht nach Vorn“ von HTC bezeichnen, da Apple bekanntermaßen vor wenigen Monaten einen Milliarden-Dollar-Sieg gegen Samsung davon getragen hat (auch wenn die Urteilsbestätigung noch aussteht). Die Kollegen von The Verge haben sich deswegen ein paar Gedanken gemacht, wieso HTC dem Lizenzabkommen zugestimmt haben könnte.

  • Apples Sieg über Samsung ist weniger zukunftsweisend als es zunächst scheint. Der Konzern aus Cupertino hatte einfach nur eine erdrückende Beweislast in Petto wie die vielen augenscheinlich iPhone-orientierten Smartphone-Modelle, der Abteilungsinterne Katalog mit dem Vergleich des Galaxy S und des iPhones und die vielen Verkäufe, die als Berechnungsgrundlage herhalten mussten. Es ist unwahrscheinlich das Apple nochmal so viel Glück haben wird und ganz speziell nicht gegen HTC, deren Smartphones eine vollkommen eigenständige Formensprache haben. Von den deutlich geringeren Verkaufszahlen mal ganz abgesehen.
  • HTC ist als Angriffsziel bedeutend kleiner und versucht seinen Weg zu finden in einem Markt, der von Apple und Samsung sehr deutlich dominiert und beherrscht wird. Für Apple lohnt es sich einfach nicht einen Konkurrenten zu bekämpfen, der aktuell keine ernsthafte Gefahr darstellt.
  • Auf der anderen Seite könnte HTC sich gedacht haben, dass es kosteneffizienter sein würde Apple Lizenzgebühren zu zahlen, anstatt ein Heer von Anwälten über eine unbestimmte Zeit hin zu bezahlen. Apple hat die deutlich größeren Geldmittel für eine derartige Strategie, HTC hingegen hat andere wichtigere Prioritäten.
  • HTC sah sich zudem mit Verfügungen der ITC (International Trace Commission) konfrontiert, die unter anderem das Evo 4G LTE betrafen. Der US-amerikanische Zoll stellte unter anderem die Verletzung von Patenten Apples fest, die Workarounds von HTC wiederum wurden von Apple als unzureichend moniert. Zudem hat HTC einige internationale Verfahren verloren und dachte sich wohl, dass dieser Weg die bessere Verwendung von Zeit und Geld sei.
  • Beide Unternehmen profitieren von HTC’s Fähigkeit, Apples elementare Patente wie Slide to Unlock, die Universale Suche, Bounce-Scrolling oder die Scroll-Sperre zu nutzen. HTC erhält damit die Chance bessere Produkte mit Funktionen zu kreieren, die Samsung nicht nutzen darf bzw. kann. Zumal HTC zumindest im US-Markt der einzige echte Konkurrent im Bereich Android ist. „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“
  • Schlussendlich dürfte es auch interessant sein zu erfahren, in wie weit bei diesem Abkommen HTCs Rolle als führender Hardware-Partner für Windows Phone 8 eine Rolle gespielt hat. Apple und Microsoft selbst haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis in Sachen Patente, was der nach wie vor anhaltende Nicht-Angriffspakt im rechtlichen Sinne untermauert. Möglich das sich HTC künftig mehr auf Windows Phone 8 konzentrieren will statt auf Android. Das ist reine Spekulation der Kollegen von The Verge, allerdings auch sehr plausibel.
[Quelle: The Verge]

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

Ein Kommentar

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