[Test] Huawei Nova und Nova Plus – Die Smartphones die keiner braucht

test-huawei-nova-plusZugegeben eine echt harte Überschrift, aber am Ende dann doch berechtigt. Denn während man auf der IFA 2016 in Berlin das Huawei Mate 9 oder zumindest den Nachfolger des Huawei Mate S erwartet hat, ruft der chinesische Hersteller mit dem Huawei Nova und Nova Plus, eine weitere Android Smartphone Serie ins Leben. Ein Test der beiden Geräte soll klären wie dringend es diese gebraucht hat.

Auf der internationalen Funkausstellung im September dieses Jahres in Berlin stellte Huawei mit dem Nova und Nova Plus zwei weitere Android Smartphones vor, von dem das Plus Modell ersten Aussagen zufolge gar nicht erst in Deutschland erscheinen sollte (zum Beitrag). Ihr könnt euch die verdutzten Blicke der anwesenden Pressekollegen vorstellen, welche nach der ellenlangen Präsentation einer Mode-Bloggerin mit den beiden Geräten erst einmal so gar nichts anfangen konnten. Waren das jetzt nun Smartphones welche sich der weiblichen Zielgruppe widmen? Ein sogenannter Schmink- und Beautymodus deutete zumindest so etwas an. Doch bevor wir die Geräte nicht in der Redaktion hatten, sollte man eventuell keine voreiligen Schlüsse ziehen.

Verarbeitung, Design und Display

Schon bei dem Auspacken wird deutlich das im Grunde rein äußerlich die beiden Smartphones so rein gar nicht verwandt sind. Während das Huawei Nova als Doppelgänger des Google Nexus 6P in klein durchgehen kann, zeigt das Nova Plus seine Huawei Standard Optik. Nicht besonders schick, aber funktionell.
Für die Optik bekommt also das Huawei Nova schon einmal direkt Sympathiepunkte, welches unter Umständen auch die Theorie unterstreicht, das Huawei ursprünglich die Nexus 2016 Smartphones fertigen sollte (zum Beitrag).

Zur Verarbeitung braucht man bei Huawei keine großen Worte mehr verlieren. Ihre Aluminiumgehäuse sind stetig sehr hochwertig gearbeitet, weisen keinerlei Spaltmaße oder sonstige Verwindungen auf. Das 2.5D Glas des 5 und 5,5 Zoll großem Full HD Display ist ein typischer Handschmeichler und deckt die komplette Front ab, während es in geschwungener Form und ohne scharfe Kanten bündig mit dem Diamant-geschliffenen Rand abschließt.

Auch die beiden IPS-Displays an sich geben keinen Grund zur Klage. Kontrast (1500:1), Blickwinkel (80 Grad), Helligkeit (450 cd/m2) alles wie immer mehr als zufriedenstellend. Will man auf hohem Niveau Kritik üben, so könnte man dem Farbraum einen minimalen Blaustich nachweisen.

Technische Unterschiede

Technische Daten Huawei Nova
Huawei Nova Plus
Display 5,0 Zoll IPS, 1.920 x 1.080 Pixel 5,5 Zoll IPS, 1.920 x 1.080 Pixel
Pixeldichte 443 PPI 401 PPI
Prozessor Snapdragon 625 Octa-Core
Adreno 506 GPU
Snapdragon 625 Octa-Core
Adreno 506 GPU
RAM 3 GB LPDDR3 3 GB LPDDR3
Speicher 32 GB (erweiterbar) 32 GB (erweiterbar)
Anschlüsse USB Type-C 2.0, 3,5mm Kopfhörer USB Type-C 2.0, 3,5mm Kopfhörer
Drahtlos  WLAN b/g/n, Bluetooth 4.1, GPS, NFC WLAN b/g/n, Bluetooth 4.1, GPS, NFC
LTE 800 MHz, 1.800 MHz, 2.600 MHz 800 MHz, 1.800 MHz, 2.600 MHz
Kamera 12 Megapixel 16 Megapixel
Kameratechnik

f/2.2, Sensor mit 1,25μm große Pixel, PDAF, CAF

f/2.0, OIS, PDAF, CAF
Videoaufnahme 3.840 x 2.160 Pixel mit 30 Fps
120 Bilder pro Sekunde
3.840 x 2.160 Pixel mit 30 Fps
120 Bilder pro Sekunde
Frontkamera 8 Megapixel 8 Megapixel
Abmessungen 141,2 x 69,1 x 7,1 mm 151,8 x 75,7 x 7,3 mm
Gewicht 146 Gramm 160 Gramm
Gehäuse Aluminium Aluminium
Akku 3.020 mAh 3.340 mAh
Standby k.A. 550 Std.
Betriebssystem Android 6.0 / EMUI 4.1 Android 6.0 / EMUI 4.1
Wasserdicht Nein Nein
Sonstiges 2.5D Glass, 3D Fingerabdruck-Sensor 2.5D Glass, 3D Fingerabdruck-Sensor
Farben titanium grey/mystic silver/prestige gold titanium grey/mystic silver/prestige gold
UVP 379,- 429,-

Leistung und Kommunikation

Beide Smartphones sind trotz ihres optischen Unterschied unter der Haube nahezu identisch ausgestattet. Mit einer Snapdragon 625 Octa-Core-CPU greift man ungewöhnlich nicht zu seinen eigenen Prozessoren, sondern zu den des kalifornischen Unternehmen Qualcomm. Hier wird auch direkt deutlich, wo sich die beiden Nova Smartphones im großen Angebot einordnen.
Denn obwohl 8 ARM Cortex A53 Kerne mit maximalen 2.0 GHz takten, handelt es sich doch nicht um ein Flaggschiff SOC (System on a Chip) was auch der AnTuTu Benchmarktest mit nur 64.449 Punkten quittiert.
Dennoch bedeutet Mittelmaß heutzutage nicht, dass sich nicht auch die grafisch aufwendigsten Spiele durchaus flüssig spielen lassen. Grund dafür dürfte neben der Adreno 506 Grafikeinheit auch die 3 GB Arbeitsspeicher sein. Dieser wird von 32 GB (circa 22 GB verfügbar) internen Programmspeicher ergänzt, der sich bei Huawei selbstredend mithilfe einer MicroSD-Karte auf sportliche 128 GB erweitern lässt.

Obwohl Huawei bei den beiden Nova Modellen bereits an einen USB Type-C Port gedacht hat, wird dieser jedoch nur mit einem 2.0 Standard beglückt. Neben den typischen LTE-Bändern unterstützen die Geräte auch WLAN b/g/n, Bluetooth 4.1 und Near Field Communication.
Die Gesprächsqualität ist für beide Teilnehmer gut verständlich und gab keinen Grund für Klagen.

Heutzutage ein Kriterium, welches man explizit benennen muss, ist die 3,5 mm Audio-Klinkenbuchse, über die ebenfalls beide Huawei Nova Smartphones verfügen.

Kamera, Multimedia und Akku

In Sachen Kamera kommen wir nun zu einem kleinen Highlight und der Antwort auf die Frage, warum in Gottes Namen bei der offiziellen Pressekonferenz uns eine junge – wenn auch attraktive – Mode-Bloggerin mit dem Namen Xenia Tchoumitcheva gefühlte 3 Stunden ein Ohr abkauen musste.
Die gute Nachricht zuerst: Beide Nova Smartphones können nun 4K Videos aufzeichnen. Ansonsten liegt der sprichwörtliche Fokus tatsächlich auf eine weibliche Zielgruppe. Denn Huawei widmet sich mit der 8 Megapixel Frontkamera, die für Selfies schon eine ordentliche Menge an Megapixeln bietet, die Erklärung für unser Model. Softwareseitig ist so einiges an Bord, was Frauenherzen höher schlagen lässt.

Dafür war man dann bei den Hauptkameras nicht mehr ganz so spendabel. Während das kleine Nova allen Anschein nach eine Nexus 6P verwandte 12 Megapixel Kamera mit 1,25μm große Pixel erhalten hat (Bildsensor ist bis dato unbekannt), fehlt es diesem an einen optischen Bildstabilisator, welchen das Huawei Nova Plus mit 16 Megapixeln dann wiederum aufweist. Dennoch würde ich von der Qualität eher zu dem kleineren Nova tendieren, wenngleich bei Nachtfotos beide Smartphones mit Bildrauschen zu kämpfen haben.
Schenkt uns die Natur ein schönes Licht – bedankt sich das Huawei Nova mit sehr kontrastreichen und dynamischen Fotoergebnissen, die man in der Mittelklasse schon eher suchen muss.

Ebenfalls nicht gerade Standard in der Mittelklasse sind die 3.020 und 3.340 mAh starken Akkus, wobei es dann bei 2 Tagen Laufzeit unter durchschnittlichen Bedingungen dann doch knapp wird. Aber den typischen Tag halten beide Android 6.0 Geräte auch unter größerer Belastung ganz geschmeidig durch.

Software

Apropos Android 6.0 Marshmallow. Wie bei Huawei üblich gibt es die hauseigene Emotion UI 4.1 Benutzeroberfläche drüber installiert. Doch obwohl Mittelklasse, hat das Unternehmen bereits schon für beide Smartphones das Android 7.0 Nougat Update angekündigt (zum Beitrag). Dieses kommt dann auch noch gleich mit der neuesten EMUI 5.0 die wir schon bei dem Huawei Mate 9 Phablet kennenlernen durften und ganz neu nun auch auf Wunsch einen App Drawer an Bord hat.
Ansonsten kommen neben den üblichen „Knuckle“ Gesten, der Fingerabdruck-Unterstützung auch wieder einiges an Bloatware mit auf beide Geräte. Bei Anwendungen wie Booking Hotels, WPS Office oder News Republic möchte der Kunde schon selber entscheiden ob er das haben möchte oder nicht. Noch schlimmer wird es in der Game Fraktion wo ebenfalls gleich 4 Gameloft Spiele vorinstalliert sind. Gott sei Dank lässt sich so gut wie alles wieder deinstallieren.

Fazit zum Huawei Nova und Nova Plus

Bei Preisen von 429 und 379 Euro hätte sich Huawei zumindest das Nova Plus schenken können. Für das Geld bekommt man selbst im eigenen Haus gleich gute, wenn nicht sogar bessere Smartphones. Und hier kommen wir auch wieder zu dem eigentlichen Thema zurück, inwieweit denn eine weitere Serie Sinn macht.
Während ein Neukunde vermutlich wenig über bestehende Modell-Bezeichnungen weiß, sieht es bei einem zufriedenen Huawei Kunden der P- oder G-Serie anders aus. Dieser wird unter Umständen bei einer Vertragsverlängerung gezielt nach einem Nachfolger Ausschau halten. Beide Nova Modelle suchen in dem bereits gut aufgestellten Portfolio – und da rede ich noch gar nicht von der hauseigenen Untermarke Honor – vergebens nach ihrem Platz.

Doch das Huawei Nova als verkapptes Nexus 6P Mini Smartphone ist schon allein aufgrund der Optik mein persönlicher Liebling geworden und wäre bei einem Preis von 299 Euro aufgrund der soliden Verarbeitung und den technischen Daten eine echte Empfehlung wert. Bis dieser Preis jedoch erreicht wird, schaut man sich eventuell noch anderweitig um.

Beitrag teilen:

MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

Sagt uns eure Meinung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

shares