[Test] Lenovo Moto Z – Modularität wie sie sein muss

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Auch wenn LG das erste modulare Smartphone in den Handel gebracht hatte, war Motorola im Grunde mit dem Projekt ARA großer Vorreiter des Umwelt bewussten Konzept. Unter dem Lenovo Konzern und mit dem Moto Z sollte es nun das erste eigene Android Smartphone im Sommer dieses Jahres werden, welches gleich mal mit einigen Superlativen der Konkurrenz das Fürchten lehrt. Unser nun folgender Testbericht beleuchtet ob das Moto Z samt Moto Mods Konzept aufgeht.

Motorola Mobility hat als Smartphone Hersteller schon über eine aufregende Vergangenheit zu berichten. Wer hier von einer Achterbahnfahrt berichtet, übertreibt keineswegs. Kein anderes Unternehmen kann derart viele Auf und Ab Momente vorweisen, wie das ehemalige Google Tochterunternehmen.
Heute gehört Motorola zu dem chinesischen Konzern Lenovo, bei dem die schnell gewachsene Fangemeinde große Sorge hatte, dass liebgewonnene Tugenden verloren gehen würden. Schaut man sich allerdings das Moto Z einmal genauer an, so sieht man das die Ängste unbegründet waren.

Design und Verarbeitung

In der Regel bin ich allgemein dafür bekannt mich zu sehr von Aussehen und Design beeinflussen zu lassen. Bei der Wahl einer passenden Partnerin würde man mir wohl Oberflächlichkeit vorwerfen. Doch bei einem Smartphone sind das meiner Meinung nach wichtige Kaufkriterien, welche von dem Moto Z im allerhöchsten Maße befriedigt werden.

Das Moto Z ist aus Flugzeugaluminium gefertigt und von daher spürbar leichter als jedes andere Smartphone. Doch die 136 Gramm wurden nicht zuletzt aufgrund des weltweit dünnsten Smartphone erreicht. Mit 5,19 mm ist es schon eine einzigartige Haptik, welche zukünftige Kunden des Moto Z jeden Tag aufs neue erleben dürfen.
Packt man jedoch eines der vielen Moto Shells, welche es in Echtleder, Holz oder Stoff separat zu kaufen gibt, auf die magnetische Rückseite, hat man zwar eine zusätzliche Individualität, doch das Feeling gleicht dann wieder dem Durchschnitt.
Motorola liefert ab Werk eine Nylon Rückseite mit, welche wiederum für manch einen den besseren Halt bietet und die dominanten Pins für die Moto Mods verdecken. Doch dazu später mehr.

Die Verarbeitung gibt keinen Anlass zu Klagen. Alles ist sauber verarbeitet und trotz dem schlanken Gehäuse gibt es kein knarzen oder ähnliche Verwindungen. Wer möchte kann sich an der hervorstehende und im Durchmesser doch recht großen Hauptkamera stören. Diese Rundung ist in einem Edelstahlrahmen eingefasst und beherbergt neben der Kameraoptik an sich, auch noch das Dual-Blitzlicht. Dient aber auch bei der Montage der Moto Mods, als praktische Fixierung. Während der Aspekt mich im täglichen Umgang mit dem Moto Z rein gar nicht gestört hat, kommen wir aber zu einem No-Go auf der Vorderseite.

Der rechteckige Fingerabdrucksensor unter dem 2.5D Corning Gorilla Glass. Er sieht aus wie ein Home-Button, hat aber nicht dessen Funktion und ist uns bereits schon von dem Moto G4 und G4 Plus bekannt. Ganz schrecklich! Ich weiß es gibt Fans von Fingerabdrucksensoren auf der Front. Ich finde das weder intuitiv noch praktisch. Für mich gehört dieser auf die Rückseite oder wie bei Sony in den Power- und Standby-Button.

Für viele (auch für mich) ein weiterer Kritikpunkt dürfte der fehlende 3,5 mm Klinkenanschluss für einen Stereo-Kopfhörer sein. Dieser musste dann wohl zugunsten der 5,19 mm weichen und wurde kurzerhand durch einen digitalen Audio-Ausgang an dem USB Type-C Port realisiert. Ein Adapter liegt dem Moto Z bei. Kopfhörer/Headset wie auch ein simples Datenkabel im übrigen nicht.

Display

Hier serviert Motorola einmal mehr das Rund-um-Sorglos-Paket. Mit einem 5,5 Zoll großen AMOLED Display und einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel gibt es Spaß rund um die Uhr, drinnen wie draußen. Mit 535 ppi erreicht das Display auch die Leistungsgrenze des aktuell machbaren. Wie bei AMOLED üblich, sind die Farben knackig und das Schwarz so dunkel wie des Teufels Seele.
Auch bei dem Thema Blinkwinkelstabilität und der maximalen Leuchtstärke von 379 cd/m² darf sich der Besitzer eines Moto Z zu jedem Zeitpunkt glücklich schätzen auf sein Display zu schauen.

CPU und GPU

Das Lenovo Tochterunternehmen hat zum Zeitpunkt der Moto Z Planung und Fertigung in Sachen System on a Chip zum Besten gegriffen, was Qualcomm derzeit im Angebot hatte. Und das war – und ist eigentlich immer noch – die Snapdragon 820 mit ihren 4 Kryo-Kernen und einer maximalen Taktfrequenz von 1,8 GHz. Zwar gibt es a) inzwischen eine 821 CPU und b) kann die 820 auch locker bis 2,2 GHz getaktet werden, doch beide fehlenden Aspekte machen sich bei dem Moto Z nicht negativ bemerkbar.

Gut im AnTuTu kann der runter getaktete Snapdragon Prozessor samt Adreno 530 GPU mit 58.860 Punkten nicht gerade überzeugen, doch das dürfte dem schlanken 2.600 mAh Akku geschuldet sein. Wer den AnTuTu ein paarmal wiederholt, kann auch einmal auf 130.000 Punkte kommen. Ein weiteres Zeichen dafür dass man sich von solchen Daten nicht zu sehr beeinflussen lassen sollte.

Jedoch sind in meinem täglichen Umgang mit dem modularen Smartphone in Sachen Performance keine Einbußen aufgefallen. Weder in der üblichen Anwendung noch beim Spielen. Grund dafür dürften mit Sicherheit auch die 4 GB Arbeitsspeicher sein, die gerade in Sachen Performance so einiges kompensieren können.

Antutu Benchmark
Antutu Benchmark
Entwickler: AnTuTu
Preis: Kostenlos

Technische Daten

Technische Daten des Lenovo Moto Z


Prozessor Snapdragon 820 Quad-Core-CPU (4 x 1,8 GHz)
GPU: Adreno 530

Betriebssystem

Android 6.0.1 Marshmallow

Interner Speicher

32 GB Interner Speicher (erweiterbar per MicroSD)

RAM

4 GB LPDDR4
Display 5,5 Zoll AMOLED Display mit 2.560 x 1.440 Pixel, 535 ppi, Corning Gorilla Glass

Anschlüsse

USB Type-C (3,5 mm Adapter auf USB-C im Lieferumfang)

Abmessungen (HxBxT mm) / Gewicht

153,3 x 75,3 x 5,19 mm / 136 Gramm
Kamera 13 Megapixel Hauptkamera Blende f/1.8, OIS, Laser Autofokus, Dual-LED-Blitz, 1,12 um Pixel
5 Megapixel Frontkamera Blende f/2.2, Weitwinkelobjektiv, Frontblitz, 1,4 um-Pixel
Internet
WLAN a/b/g/n/ac 2,4 GHz + 5 GHz mit MIMO
LTE Cat 6 (850, 900, 1700, 1900, 2100 MHz)
Akku Kapazität 3,8 V/2.600 mAh TurboPower™ (bis zu 7 Stunden Akku-Leistung nach 15 Minuten Ladezeit)
Preis UVP 699 Euro
Besonderheit Fingerabdrucksensor, Wasserabweisend (Nanobeschichtung), Moto Mods™-Verbindung

Akku

Tja, ein Thema welches für viele der Grund ist, auf den Kauf eines Moto Z zu verzichten. Meiner Meinung nach ungerechtfertigt. Ja, es stimmt – wir haben in der Tat einen nicht mehr zeitgemäßen 2.600 mAh starken Akku verbaut. Doch wir sehen aktuell bei dem Samsung Galaxy Note 7 und dessen Problemen mit explodierenden Akkus wohin es führen kann, wenn man es im Hype um den größten Akku übertreibt.

Lenovo ist hier vorzugsweise den Weg gegangen, die Snapdragon CPU wie eben beschrieben auf 1,8 GHz zu drosseln und so mit dem Akku auch für Vielnutzer über den Tag kommen zu lassen. Wer nicht rund um die Uhr Videos auf YouTube schaut – und selbst das schafft das Moto Z knapp 7 Stunden lang – der kommt sogar 2 Tage ohne Steckdose aus.

Kommt dann der Augenblick der Stromaufnahme, so bietet das Smartphone Dank Qualcomm Technologie schnelles Laden. Motorola nennt es TurboPower, welches binnen 15 Minuten Ladezeit euch für 7 Stunden neue Energie bietet.

Und wer sich damit nicht zufrieden gibt, kann Dank Incipio offGRID™ Power Pack, 2.200 mAh extra Power praktisch auf der Moto Mod Rückseite befestigen. Die Handhabung ist um Welten besser als mit jedem externen Akku. Und wenn sich das Moto Z durch das 79 g leichte Kraftpaket wieder aufgeladen hat, kann das Power Pack auch wieder entfernt werden.

Konnektivität

Auch hier gibt es bei dem Moto Z keine Einbußen. Egal ob das viel zu selten genutzte NFC (Near Field Communication), Bluetooth 4.2 oder die komplette Hütte an WLAN mit 802.11 ac/a/b/g/n, 2.4G und 5G. Das LTE unterstützt bereits Cat 6, was rein theoretisch einen Download von bis zu 300 MBit/s ermöglicht.
Einziger Kritikpunkt bleibt wohl der USB Type-C Port der leider nur 2.0 Standard unterstützt, was aber andere Hersteller bis auf wenige Ausnahmen auch nicht gebacken bekommen. Dafür muss er aber für die Kabel gebundene Ausgabe der digitalen Musik herhalten, was im extrem ungünstigen Fall bedeutet, dass man entweder nur laden oder Musik über den Kopfhörer hören kann, sofern man nicht die Bluetooth Verbindung nutzt.
Im täglichen Umgang hat mich das tatsächlich nie gestört, da ich eh keine Musik über das Smartphone höre, wenn ich es an der Steckdose auflade. Und unterwegs lade ich via Power Pack. Dennoch könnte ein anderes Nutzerverhalten hier zu Problemen führen.

Moto Mods

Selbstverständlich müssen wir uns bei dem Moto Z auch den Moto Mods zuwenden – den auf der Rückseite magnetisch zu befestigen Modulen. Das Konzept ist gegenüber der einzigen Konkurrenz, dem LG G5, deutlich besser gelöst. Alle Mods sind magnetisch und werden durch die unten angebrachten Pins und dem großen Kamera-Ring fixiert und verbunden. Sie haben ausreicht Halt und konnten von mir auch nicht mutwillig durch ruckartige Bewegungen gelöst werden. Sehr praktisch, es benötigt keine großen Installationen oder installieren von Apps. Einfach ran und fertig.

Motorola bietet zum Verkaufsstart des Moto Z und Moto Z Play bereits ein kleines Portfolio an Moto Mods an, die allesamt deutlich weiter gedacht und konzeptioniert sind, als es ein südkoreanischer Anbieter Anfang des Jahres probiert hatte. Aktuell bietet Motorola den

  • JBL SoundBoost Lautsprecher für 99 Euro
  • Moto Insta-Share Projector für 349 Euro
  • Hasselblad True Zoom Kamera Modul für 299 Euro
  • Incipio offGRID™ Power Pack für 89 Euro
  • und unterschiedliche Moto Style Shells in Leder und Holz.

Dem Moto Mod Portfolio widmen wir uns aber in einen gesonderten Testbeitrag, da er hier tatsächlich den Rahmen sprengen würde. Wollt ihr dennoch auf die Schnelle eine Empfehlung, dann kauft euch den JBL Lautsprecher (der braucht auch keinen Klinkenstecker) und das Power Pack. Der Rest ist meiner Meinung nur etwas für Menschen mit zu viel Geld.

Kamera

Womit wir indirekt auch schon zu einem der wichtigsten Themen bei einem Smartphone Kauf kommen: der Kamera. Lenovo verbaut bei dem Moto Z einen Sony IMX 230 Exmor Sensor der mit 13 Megapixel ein wenig schwach auf der Brust ist, was eine Hauptkamera im Premiumbereich anbelangt. Das macht Motorola aber wieder mit einer Blende von f/1.8 wieder wett.

Ebenfalls nicht vom Nachteil ist der Laser Autofokus und der optische Bildstabilisator. Gerade die hohe Blende kommt Fotos bei dunklen Lichtverhältnissen zugute. Bei Tageslicht gibt es aber Smartphones die bessere Bilder machen. Die Kamera des Moto Z wäre hier eher im oberen Mittelfeld einzuordnen.
Selbstverständlich können Experten im Profi-Modus mit den richtigen Einstellungen noch einiges an den Foto-Ergebnissen raus kitzeln.

Als Frontkamera hat das Moto Z eine 5 Megapixel Kamera mit einer Blende von f/2.2 verbaut, welche von einem Blitzlicht unterstützt werden kann.

Software

Gott sei es gedankt, auch unter der Führung von Lenovo bleibt das Android Betriebssystem weitestgehend von Bloatware befreit. Da können die Chinesen auf einem Windows Laptop auch schon einmal ganz anders.
Neben der Moto App, welche als kleines Helferlein in Sachen Sprachsteuerung, automatischen Anpassungen wie das Freisprechen bei Autofahrten oder der Gestensteuerung und dem Moto Action Display im Standby Modus, lässt es das Moto Z auf die üblichen Google Apps beruhen. Man könnte also hier fast schon von einem Vanilla Android reden.
Dem zufolge verwendet das Betriebssystem samt vorinstallierten Anwendungen auch nur knapp 12 GB (Android 8.37 GB) der zur Verfügung gestellten 32 GB. Diese lassen sich natürlich mit einer entsprechenden MicroSD-Karte erweitern.

Multimedia

Wie schon anfangs angedeutet, störe ich mich persönlich sehr stark an dem als Home-Button getarnten Fingerabdrucksensor auf der Vorderseite. Doch seine Funktionalität gibt keinen Anlass zur Kritik. Egal ob nasse Finger oder auf dem Kopf, der Sensor reagiert prompt. Durch ihn kann man das Display aus dem Standby ein- und auch wieder ausschalten. Weitere Funktionen, wie beispielsweise eine Gestensteuerung, gibt es nicht.

Das Moto Z verzichtet wie viele andere Smartphones inzwischen ebenfalls auf einen Infrarot-Blaster. Obwohl im Home-Entertainment dieser Standard noch häufig genutzt wird, hat sich die Handhabung, das Smartphone als Multi-Fernbedienung zu nutzen, nicht durchgesetzt.

Ebenfalls verzichtet Motorola aufgrund der Bauhöhe bedingt auf eine 3,5 mm Klinkenbuchse. Dafür gibt das Unternehmen ein Adapterkabel mit, welches die Audioausgabe dann über den USB Type-C Port ermöglicht. Diskussionen zu diesem Thema gab es schon zu genüge beim iPhone 7, sodass wir das Thema nicht neu aufkochen müssen.

Der intern verbaute Lautsprecher passt sich dem allgemeinen Standard an und ist weder besonders laut noch leise. Seine Klangqualitäten reichen eben für den allgemeinen Gebrauch.
Grund dafür dürfte mit Sicherheit das separat zu kaufende Stereo Soundboard von JBL sein, welches einem die Tapeten von der Wand rollen lässt (doch zu den Moto Mods gibt es ja noch einen gesonderten Test).

Fazit zum Moto Z

Trotz einiger Schwächen wie der fehlenden Klinkenbuchse, dem auf dem Papier 2.600 mAh schwachen Akku und dem Fingerabdrucksensor unter dem Display, gilt das Moto Z als eines der innovativsten Android Smartphones dieses Jahres. Das haptische Gefühl des knapp 5 mm dünnen Metallgehäuse ist unvergleichlich und die Möglichkeiten durch die magnetischen Moto Mods nahezu unbegrenzt.
Wenn sich nun noch der Markt bezüglich des UVP von 699 Euro ein wenig reguliert, ist das Lenovo Moto Z eine der Empfehlungen, bei der man noch lange Zeit seine Freude haben wird.

[box type=“tick“ size=“large“]Positiv

  • Verarbeitung
  • Ultradünnes Gehäuse
  • Display
  • Moto Mod Modularität
  • USB Type-C
  • Wasserabweisend (nano beschichtet)

[/box]

[box type=“alert“ size=“large“]Negativ

  • kleiner Akku (mit guter Laufleistung)
  • Fingerabdrucksensor als Pseudo-Home-Button
  • Keine Klinkenbuchse
  • Kein 3.1 Standard

[/box]

huawei-p9-plus-testurteil-go2android

Wertung
Geschwindigkeit 4/5
Display 5/5
Funktionalität 5/5
Verarbeitung 5/5
Preis 4/5

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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