[Test] HTC 10 – Das gelungene Flaggschiff Comeback

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HTC 10 Test

In den letzten Jahren hatte HTC zunehmend mehr Boden im harten Smartphone-Geschäft verloren, weswegen das HTC 10 ein Erfolg werden muss. Mit einer hervorragenden Verarbeitung, einem frischen Design, bärenstarker Hardware und toller Kamera scheint das auch gelungen zu sein. Doch wollen wir nicht den Abend vor dem Test loben.

Ohne Frage lässt sich festhalten, dass sich HTC mit dem HTC 10 die Kritik der letzten Jahre und insbesondere rund um das HTC One M9 (zu unserem Test) zu Herzen genommen hat. Neue Optik, neue Spielereien, alte Tugenden, weniger unnütze Anwendungen und das Beste vom Besten in Sachen Hardware sollen wieder zu alter Stärke führen. Man könnte auch sagen, dass HTC sich anschickt, sprichwörtlich sic an die Spitze zurück zu kämpfen.

In jedem Fall kann HTC dieses Jahr ganz besonders gut mit Samsung, LG und auch HUAWEI mithalten was das neue Flaggschiff-Smartphone anbelangt. HTC darf man noch lange nicht abschreiben mit seinen frischen eigenen Ideen. Welche das unter anderem sind, haben wir im nachfolgenden Interview mit Fabian Nappenbach, Produkt Direktor für Europa von HTC erfahren können:

 

Technische Daten des HTC 10

Technische Daten


Prozessor

Snapdragon 820 Quad-Core mit 2 x 2,15+1,6 GHz und 64-Bit
GPU: Adreno 530

Betriebssystem

Android 6.0.1 Marshmallow mit HTC Sense 8.0

Interner Speicher

32 GB interner Speicher (erweiterbar per MicroSD)

RAM

4 GB

Modellbezeichnung

HTC 10

Display

5,2 Zoll Super LCD5 Display mit 2.560 x 1.440 Pixel

Anschlüsse

MicroUSB Typ-C, 3,5mm Audio Klinkenanschluss

Sensoren

Beschleunigung, Gyroskop, Annäherung, Licht, E-Compass, Sensor-Hub und Fingerabdruck

Abmessungen (HxBxT mm)

145,9 x 71,9 x 9 mm

Gewicht

161 Gramm

Gehäusematerial

Aluminium

Kamera

12 Megapixel Kamera mit UltraPixel 2, 5 Megapixel Frontkamera

Internet

WLAN a/b/g/n/ac

Bluetooth

4.2 HS BLE

Akkutyp

Fest verbauter Li-Ion

Kapazität

3,8 V/3.000 mAh

Gesprächszeit

bis zu 27 Std. (3G/4G)

Standby-Zeit

bis zu 19 Tage (3G/4G)

Netz

GSM 850/900/1800/1900,
UMTS 900/2100 MHz,
LTE 800/1.800/2.600 MHz

Preis

UVP 699 Euro
Besonderheit Fingerabdruck-Sensor, Standby-Gesten, fast pures Android, Laser-Autofokus, USB Typ-C, BoomSound Lautsprecher, 24-Bit Audio Hi-Res-Zertifiziert, UltraPixel 2 Kamera, Musik streamen via Apple AirPlay

 

Zubehör

Wie von HTC gewohnt, ist schon das Auspacken eine ansehnliche Sache für sich selbst. So kommt das Smartphone in einem rechteckigen Pappkarton mit abgerundeten Ecken, wo das HTC 10 einen direkt nach Abnahme des Deckels anlächelt. Darunter befinden sich wiederum drei kleinere Pappschachteln, welche ein USB-Kabel mit Typ-C Stecker enthalten, ein USB-Netzteil mit Quick Charge 3.0 Unterstützung, ein sehr hochwertiges Kabel-Headset mit phänomenalen Sound sowie die üblichen Hinweise zur Garantie nebst einer Schnellstartanleitung. Natürlich darf dabei das SIM Eject Tool nicht fehlen – passenderweise in Form einer SIM-Karte.

Weiteres Zubehör, welches über den Standard-Lieferumfang eines Premium-Smartphones hinausgeht, ist nicht in dem Paket zu finden, sieht man von den kleineren und größeren Gummiaufsätzen für das Headset ab.
Eine Überlegung sollte auf jeden Fall die Ice View Schutzhülle sein, welche uns im Test ebenfalls vorlag und entgegen den früheren Modellen die Dot View Hülle ersetzt (dazu mehr unter dem Punkt Zubehör).

 

Design und Verarbeitung

Im letzten Jahr musste sich HTC für das HTC One M9 enorm viel Kritik anhören. In gewisser Weise auch zu Recht: Das 2015er Flaggschiff sah bis auf kleinere Details exakt so aus wie dessen Vorgänger HTC One M8, was auch über die gute Technik und die zumindest in Sachen Auflösung stark aufgewertete Kamera nicht hinwegtäuschen konnte. So etwas ist zwar in der Automobilbranche gang und gäbe, aber allen Anschein noch nicht in der Smartphone-Branche.
Daher könnte man das HTC 10 durch seine neue Namensgebung und der Verabschiedung des „One“ tatsächlich als eine Annahme der Kunden Kritik und radikalen Neuanfang verstehen.

Trotzdem ist unverkennbar die Handschrift von HTC im Design des Android Smartphones zu erkennen. Das Unibody-Gehäuse, welches auch dieses Mal wieder aus einem einzigen Block Aluminium gefräst wird, besitzt auf der Rückseite die markanten Kunststoff-Streifen, welche HTC 2013 mit dem heute als HTC One M7 bekannten und mittlerweile als legendär bezeichneten Smartphone erstmals einführte. Auch die bauchigere Formgebung für ein sicheres Gefühl in der Hand hat das HTC 10 übernommen.

Der vielleicht größte Unterschied und auch als frisches Designmerkmal zu betrachten, ist die deutlich breiter geschliffene Kante des Aluminiums. Sie ist erheblich breiter als üblich, womit das HTC 10 allein schon durch seien Rückansicht auffällt und optisch flacher wirkt als es tatsächlich ist. Entweder es gefällt oder auch nicht. HTC sagt dass sie je nach Lichteinwirkung eine andere Reflektion und Farbnuance wiedergibt.
Als weiteres dominantes Merkmal auf der Rückseite finden wir die neue UltraPixel 2 Kamera mit 12 Megapixel Auflösung sowie kreisrunder Einfassung, einem zweifarbigen LED-Blitz und einem Laser-Autofokus. Relativ in der Mitte sitzt das HTC-Logo welches diesmal nicht eingefräst ist.

Während sich HTC auf der Rückseite seinen alten Stärken verbunden fühlt, hat der Konzern die Front des HTC 10 im Gegensatz dazu quasi komplett umgekrempelt. Der am HTC One M9 kritisierte schwarze Balken ohne Nutzen ist weg, das HTC-Logo ist nicht mehr vorhanden, es gibt nun einen Fingerabdruck-Sensor im Samsung-Stil unter dem Display.

Außerdem setzt HTC mit seinem neuen Flaggschiff wieder auf die kapazitiven Tasten im Allgemeinen zur Steuerung des Gerätes. Die On-Screen-Tasten von Android sind bei HTC anscheinend nun wieder Geschichte und auch der zweite BoomSound-Lautsprecher scheint gestrichen worden zu sein. Aber nur auf den ersten Blick: Dieser befindet sich nun auf der Unterseite des Rahmens, was auch seinen guten Grund hat. Dazu aber später mehr im Bereich Multimedia.

Der Rahmen selbst ist mit dem HTC 10 vergleichsweise konservativ geblieben. So finden sich nur auf der rechten Rahmenseite die Hardware-Tasten wieder, wobei die Power-Taste mit einer deutlicher geriffelten Oberfläche daher kommt als das Design-technisch recht ähnliche HTC One A9. Bei den Lautstärke-Tasten hat sich HTC dieses Mal für eine Lautstärke-Wippe entschieden, anstatt erneut auf einzelne Tasten zu setzen.

Deren Druckpunkt kann man als sehr direkt und knackig bezeichnen. Außerdem sitzen diese sehr fest und ohne größeres Spiel im Rahmen. Direkt über der Lautstärke-Wippe ist der SIM-Karten-Slot verbaut. Eine optionale MicroSD-Speicherkarte findet auf der linken Seite des Rahmens ihren Platz.

Auf der Stirnseite ist die Kunststoff-Abdeckung des Vorgängers zwar nicht verschwunden, aber weitaus weniger auffällig in das Design integriert. Mittig sitzt die 3,5 mm Audio-Klinkenbuchse für das beiliegende Kabel-Headset, auf den Infrarot-Port müssen Kunden wie bei dem Samsung Galaxy S7 (zu unserem Test) als ärgsten Konkurrenten ebenfalls verzichten.

Mit dem HTC 10 kann sich der taiwanische Hersteller nun auch nicht mehr länger dem neuen USB-Standard verschließen: Auf der Unterseite des Rahmens ist nun erstmals eine USB Typ-C Buchse verbaut. Links daneben ist eines der Mikrofone zum Telefonieren und rechts von der USB-Buchse der zweite BoomSound-Lautsprecher. Gänzlich darauf verzichtet hat HTC auf die oftmals gelobte BoomSound-Technik im HTC 10 letzten Endes doch nicht.

Unterm Strich gibt es an der Verarbeitung des HTC 10 keinen Grund für Kritik. Weder sind scharfe Kanten zu fühlen – ganz im Gegensatz dazu das LG G5 (zu unserem Test) – noch sind die Spaltmaße groß geschweige denn ungleichmäßig. Wenn ein Hersteller abseits von Apple das Prädikat „Premium“ verdient, dann zweifelsfrei HTC. Gerade durch das etwas höhere Gewicht fühlt man die Premium-Qualität auch stärker als bei manch anderen Geräten und kann auch einmal ersatzweise als Handschmeichler genutzt werden.

 

Display

Mit 5,2 Zoll ist das Display des HTC 10 in guter Gesellschaft und gehört damit zu den kleineren Flaggschiffen dieses Jahr. Während viele Konkurrenten sich bereits in Richtung 5,5 Zoll begeben, bleibt HTC verhältnismäßig klein. Nicht aber bei der Auflösung: 2.560 x 1.440 Pixel sind erheblich mehr als das 5 Zoll große FullHD Display des Vorgängers, was sich unweigerlich auf die Pixeldichte von 565 ppi und damit eine deutlich höhere Schärfe auswirkt. Zumal HTC eine Art Zero-Gap-Display verbaut, welches eine besonders dünne Schicht zwischen Glasscheibe und dem eigentlichen Display bietet.

Auch wenn ein AMOLED-Panel in manchen Disziplinen die eindeutig besseren Werte vorweisen kann, ist das Super LCD5 bezeichnete Panel des HTC 10 vergleichsweise sehr hell, mit kräftigen aber nicht unnatürlich wirkenden Farben und hohen Kontrasten gesegnet. Man muss aber mit Einschränkungen bei der Blickwinkelstabilität rechnen. Hier ist ein AMOLED-Panel in der Tat besser – ebenso bei Schwarzwerten – wenn auch nur minimal.

Wer will kann die Darstellung in den Systemeinstellungen an die eigenen Wünsche anpassen. HTC hat im HTC 10 die Funktion eingebaut, Farbtemperatur und die Intensität dieser anzupassen.

Für Cineasten und Technik-Spezis vielleicht ganz interessant: Das Super LCD5 Panel des HTC 10 erfüllt die relativ junge und einheitliche Norm DCI-P3 der Filmindustrie und deckt die Farbräume AdobeRGB, sRGB und NTSC mit jeweils etwa 92, 98 und 90 Prozent ab. Für ein LC-Display ein sehr gutes Ergebnis.

 

CPU und GPU

Technisch hatte sich HTC mit seinen Flaggschiffen noch nie verstecken müssen, wo auch das HTC 10 keine Ausnahme macht. Mit einem Snapdragon 820 Quad-Core-Prozessor ist das Android Smartphone bestens für die Zukunft gerüstet. Der Chip in der Tandem-Konfiguration der einzelnen Kerne – zwei Kerne sind bis zu 2,15 GHz schnell für aufwändigere Apps und zwei Kerne sind bis zu 1,59 GHz schnell für einfachere Aufgaben – sorgt im AnTuTu Benchmark für sehr gute 125.747 Punkte und führt aktuell die Liste an.

Zusammen mit dem 4 GB großen RAM sorgt das für eine stets flüssige Bedienung, auch wenn man zahlreiche Apps geöffnet und im Hintergrund aktiv sind. Aber das war bekanntlich noch nie ein ernsthaftes Problem bei HTC gewesen. Eher das mit der Hitzeentwicklung, was nun Dank 4 Kyro-Kernen ebenfalls der Vergangenheit angehört.

Auch mit der Adreno 530 GPU ist das HTC 10 für die kommenden Jahre gut gerüstet, um auch anspruchsvollere Spiele wie Real Racing 3, Dead Trigger, GTA San Andreas oder was auch immer gerade grafisch besonders fordernd ist, flüssig auf das Display zu zaubern.

 

Akku

So hochwertig und optisch ästhetisch auch ein Unibody-Gehäuse sein mag, in einem Punkt muss man einen Kompromiss eingehen: Der Akku ist nicht wechselbar. Dafür hat das HTC 10 einen mit 3.000 mAh erfreulich großen Akku erhalten, womit HTC nun wieder auf dem Niveau der direkten Konkurrenz liegt. Gerade dieser größere Akku schafft in Verbindung mit dem neuen Strom sparenderen Prozessor, diversen Firmware-Optimierungen und dem neuen Super LCD5 Display eine erheblich gesteigerte Ausdauer.

Knappe 6 Stunden Dauerbenutzung mit eingeschaltetem Display sind keine Utopie und zwei Tage abseits einer rettenden Steckdose ebenso wenig. Man kann also sagen, dass das HTC 10 in Bezug auf den Akku eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem Vorgänger darstellt. Wireless Qi wird aber nach wie vor nicht unterstützt.

Aufgeladen wird das HTC 10 mit Quick Charge 3.0 was bedeutet, dass der Akku innerhalb von 1 Stunde wieder komplett voll sein kann. Vorausgesetzt man nimmt das HTC-eigene Netzteil mit seiner Ausgangsleistung von sehr kräftigen 2,5 Ampere.

 

Konnektivität

Mit Dualband-fähigen WLAN-ac (bis zu 1,3 Gbit/Sekunde bei der Übertragung), Bluetooth 4.2, einem LTE Cat9 fähigen Funkmodem (bis zu 450 Mbit/Sekunde im Download) und GPS nebst GLONASS-Unterstützung ist das HTC 10 wie zu erwarten äußerst kommunikativ. Selbst der Kurzstreckenfunk NFC und die Funk-Standards für Medien wie DLNA und Miracast werden unterstützt von dem HTC-Modell. Einzig der gestrichene Infrarot-Blaster könnte der ein oder andere beklagen, womit die Steuerung der heimischen Multimedia-Ausstattung einfacher von Statten ging.

Neu ist, dass das HTC 10 das erste Smartphone der Taiwaner ist, in welchem ein USB Typ-C verbaut ist. Bei dem HTC One A9 tat der Konzern dies noch als Spielerei für Nerds ab, aber auf lange Sicht wird sich auch HTC dem nicht widersetzen können. Dafür setzt man gleich auf den vollen USB 3.1 Standard was bedeutet, dass Daten bedeutend schneller übertragen werden und auch der Akku schneller aufgeladen wird. Damit ist HTC wieder einmal wegweisend im Bereich der Android Smartphones.

Leider erlaubt sich das HTC 10 aber ausgerechnet bei der Telefonie einen dicken Patzer. Bei nahezu jedem Gespräch ist ein zum Teil deutliches Rauschen in der Leitung zu hören. Manche Gesprächsteilnehmer klagten sogar über einen etwas matschigen Klang, woran auch die angenehm hohe Lautstärke nicht viel ändern kann.
Gerade im Vergleich zum HTC One M9 enttäuscht das HTC 10 in diesem Punkt. Bitte nachbessern HTC!

 

Kamera

Im HTC One M7 setzte HTC erstmals auf die UltraPixel-Technologie, setzte sie mit einem zweiten Sensor für Tiefen-Informationen im HTC One M8 erneut ein, tauschte sie gegen eine 20 Megapixel Kamera mit weniger optimalen Ergebnissen im HTC One M9 aus – um im HTC 10 die neue UltraPixel 2 Kamera vorzustellen.

Technisch setzt die Technik der UltraPixel 2 Kamera weiterhin auf vergleichsweise sehr große Pixel mit 1,55 Mikrometer Durchmesser, aber im HTC 10 ist die Auflösung von ehemals 4 auf nunmehr 12 Megapixel erhöht. Letztlich begibt sich HTC trotzdem auf den Pfad des Downsizing wie etliche Mitbewerber wie die aktuellen Google Nexus und das Samsung Galaxy S7 ebenfalls. Zusammen mit dem „besten optischen Bildstabilisator den HTC je gebaut hat“, einer Blende von f/1.8 und einem Laser-Autofokus soll das HTC 10 fotografisch endlich das abliefern, was sich Fans schon seit Jahren wünschen.

Sicherlich ist die Bildqualität erheblich gestiegen, aber perfekt ist sie leider nach wie vor auch nicht. Woran das HTC-Flaggschiff meistens zu knabbern hat ist eine etwas zu ambitionierte Belichtung, sodass Fotos trotz knackig natürlicher Farben im Vergleich zu anderen Smartphones und auch der fotografierten Szene etwas zu hell wirken. Das zeigt sich auch dahingehend, dass manche hellen Bereiche zum Teil überstrahlen und überbelichtet sind. Erstaunlich ist auch, dass trotz der auf dem Datenblatt technischen Überlegenheit das HTC 10 nächtliche Aufnahmen nicht so gelingen wie erhofft. Tatsächlich zieht das Samsung Galaxy S7 in dieser Disziplin leicht am HTC 10 vorbei. Eventuell nur eine Software-Einstellung, die das Unternehmen noch beheben könnte.

Dafür können wiederum die Bildschärfe und auch der Detailgrad überzeugen. Zum Rand hinnehmen Details jedoch sichtlich ab und tendieren zum Pixelmatsch. Diese Kleinigkeiten fallen allerdings nur dann auf, wenn man sich die geknipsten Fotos auf dem Desktop-Rechner mit entsprechenden Monitoren und Zoom-Stufen anschaut. Auf dem HTC 10 selbst sehen Fotos naturgemäß sehr gelungen aus.

Doch zu der HTC 10 Haupkamera wollen wir uns in Kürze noch einmal separat auf Fototour begeben, um euch über dem Software Zusammenspiel und der Fotoergebnisse im Allgemeinen berichten zu können.

Ein Testfoto in direkter Konkurrenz zu einer Canon EOS 600D, dem Samsung Galaxy S5 und einem HUAWEI P8 zeigt, wie gut die HTC 10 Kamera geworden ist:

Ein Highlight des HTC 10 ist sicherlich die Frontkamera, denn auch wenn diese „nur“ mit 5 Megapixel auflöst, spendieren die HTC-Ingenieure einen optischen Bildstabilisator. Damit ist das HTC-Flaggschiff das erste Smartphone der Welt mit einer derartigen Frontkamera. Selfies und Videos profitieren ungemein davon und produzieren mehr als brauchbare Ergebnisse.

Das gilt eingeschränkt auch für den Videomodus, wo das HTC 10 Videos mit bis zu 4K UHD-Qualität aufnehmen kann. Insgesamt ist die Bildqualität als gut zu bezeichnen. Einzig bei schnelleren Schwenks hat die Software Probleme das Motiv passend neu zu auszuleuchten und in den richtigen Fokus zu setzen. Richtig gut ist das Gerät wiederum bei der Aufnahme von Ton. Diesen nimmt das HTC 10 nahezu verzerrungsfrei auf und selbst enorm laute „Krachquellen“ klingen erstaunlich gut auf aufgenommenen Videos mit dem HTC-Modell.

Bei der Kamera-App hat sich HTC erneut auf ein eher einfaches Interface beschränkt, welches auf das schnelle Schießen eines Fotos ausgelegt ist: App starten und direkt loslegen. Für Profis oder Smartphone-Nutzer mit dem Hang zu feineren Einstellungen wie Blende, Belichtung, Weißabgleich, ISO und so weiter besitzt das HTC 10 auch einen Profi-Modus, mit dem sich einiges herausholen lässt bei entsprechenden Einstellungen. Oder man nimmt Fotos im RAW-Format auf und bearbeitet diese später am PC für die gewünschten Ergebnisse.

Unterm Strich lässt sich festhalten, dass HTC sich dem Problemkind Kamera dieses Jahr tatsächlich bestens angenommen hat. Zwar gibt es im Vergleich zur direkten Konkurrenz noch den ein oder anderen Fehler, aber diese lassen sich mit einem Update der Kamera-Software noch in den Griff kriegen.

 

Multimedia

Bei solch guten Foto-Qualitäten will man natürlich auch möglichst viel Platz haben, um seine Urlaubserinnerungen festhalten zu können. Daher vertraut HTC im HTC 10 auf einen 32 GB großen internen Speicher, von welchem der Nutzer knapp 23,14 GB frei verwenden kann für Daten und Medien aller Art. Wahlweise kann man den Speicher auch mit einer bis zu 2 TB großen MicroSD-Speicherkarte erweitern. Anzumerken ist jedoch, dass es derzeit maximal 512 GB Speicherkarten gibt: Der SDXC-Standard unterstützt lediglich von den Spezifikationen her besagte 2 TB Kapazität.

Was direkt auffällt, wenn man sich das HTC 10 anschaut, ist das der fehlende zweite Lautsprecher auf der Front. Diesen hat HTC allerdings nicht fallen gelassen, sondern lediglich neu positioniert – und nebenbei auch funktionell neu aufgestellt. Anstatt bisher für Stereo-Sound zu sorgen, ist der obere Lautsprecher nun für Höhen und der Lautsprecher unten im Rahmen, für Bässe zuständig. Das Ergebnis ist zwar beeindruckend – hält man den unteren Teil zu kann man die Schallwellen förmlich spüren – ist aber auch nicht mehr so voluminös und beeindruckend wie noch bei den Vorgängern. Außerdem will man so ein besseres Audio-Erlebnis auf dem Nachttisch gewähren, da der untere Lautsprecher nun in Richtung Nutzer abstrahlt. Es gibt jedoch den sogenannten „Theater-Modus“ der im Landscape – beispielsweise beim schauen eines Videos – dennoch Stereo Sound ausgibt, entgegen dem regulären Mono Sound mit Höhen und Bass-Unterstützung.

Die wahren Audio-Qualitäten in Kombination mit der BoomSound-Technologie werden nun über den beiliegenden Kopfhörer erzielt. Dessen Sound ist einfach nur als grandios zu bezeichnen: Klar, laut, voluminös und für Hi-Res-Audio zertifiziert mit dem passenden 24-Bit DAC (Digital-Analog-Wandler). Mit einer gerade mal 8 Mikrometer dünnen sowie optimierten Polymer-Membran und einem im Vergleich zu anderen Standard-Kopfhörern 70 Prozent größeren Wandler spielt das HTC 10 Headset in einer komplett eigenen Liga. Solch ein Klangerlebnis bekommt man sonst nur bei extra zu erstehenden, hochpreisigen Kopfhörern geboten.

In diesem Zusammenhang stellt die Audio-Software des HTC 10 ebenfalls eine Besonderheit dar. Verbindet man das erste Mal das beiliegende Headset mit dem Smartphone, wird man durch einen Einrichtungsassistenten zur Bestimmung der optimalen Audio-Einstellungen geführt. Wie beim Ohrenarzt wird eine Art Hörtest durchgeführt und der Equalizer entsprechend als Profil eingestellt. Bis zu 10 solcher Profile können erstellt werden. Vielhörer werden die Optimierungen sehr zu schätzen wissen.

Nicht ganz unwichtig ist an dieser Stelle anzumerken, dass HTC auf einen eigenen Musikplayer verzichtet. Ab sofort werden im Zuge einer entschlackten Firmware die Google-Apps zum Einsatz kommen. Das gilt sowohl für den Musikplayer als auch den Videoplayer und die Galerie-App.

Die größte Überraschung liefert jedoch ein proprietäres Protokoll: Das HTC 10 ist das erste Android Smartphone, welches das AirPlay-Protokoll von Apple ganz offiziell unterstützt – wenn auch nur für Audio. In dieser Disziplin empfiehlt sich das HTC-Modell insbesondere für Fans von Apple als brauchbare Alternative zum iPhone. Vorausgesetzt HTC bessert bei der Software nach, da einigen Berichten zufolge Musik erst nach mehreren Anläufen auch auf einen Apple TV der dritten Generation abgespielt wurde.

 

Software

Bei den Medien-Apps kommt auch die erste große Änderung der neuen Sense 8.0 Oberfläche (offiziell keine Versionsnummer mehr) zum Tragen: Bloatware und doppelt vorinstallierte Apps gehören der Vergangenheit an. Wofür eine Google-App bereits vorinstalliert ist, hat HTC auf dem HTC 10 darauf verzichtet und bietet sie lediglich im Google Play Store als alternativen Download an. Auch das Thema Bloatware hat der Konzern nun auf die beste Art und Weise realisiert, die man sich als Nutzer vorstellen kann.

Während der Ersteinrichtung bekommt man eine Liste der verfügbaren „Sponsored Apps“ angezeigt, von denen man sich die zu installierenden Apps markieren kann. Erst danach werden diese überhaupt installiert, anderenfalls bleiben diese außen vor. Man kann HTC für diese Entscheidung nur gratulieren und gleichzeitig hoffen, dass diese Idee auch bei der Konkurrenz Beachtung und eine entsprechende Umsetzung findet.

Abgesehen davon kommt das aktuellste Android 6.0.1 Marshmallow zum Einsatz, welches auf dem HTC 10 wie gewohnt mit der Sense-Oberfläche verbessert wird. Interessant ist jedoch, dass HTC auf eine umfangreiche optische Anpassung verzichtet. Vielmehr behält man sich das Stock-Aussehen von Android und setzt lediglich einige farbliche Akzente. Neben dem deutlich entschlackten App-Umfang zeichnet sich Sense 8.0 durch die Themes-Engine aus, welche der Konzern im Vergleich zu Sense 7.0 nochmals überarbeitet hat.

Allerdings bezieht sich die Überarbeitung vor allem auf den Homescreen, was HTC nun „Freestyle“ nennt. Und der Name ist Programm: Wem das klassische App- und Widgets-Raster zu langweilig geworden ist, kann sich im Freestyle-Homescreen eine Szene aussuchen und mit Stickern Pixelgenau so bestücken, dass es sich mehr um ein Bild handelt und weniger um einen Homescreen. Besagte Sticker lassen sich nun mit Apps oder Aktionen verknüpfen, womit das HTC 10 eine gänzlich neue Form der Homescreen-Interaktion schafft.

Trotz dieser umfangreichen Änderung verzichtet das HTC 10 nicht auf den BlinkFeed genannten Launcher, welcher am linken Ende des Homescreens erreichbar ist und wieder als Hub für Nachrichten, Kalender-Einträge und Social-Network-Inhalte fungiert. Wer dies nicht benötigt, kann BlinkFeed auch deaktivieren. Selbst Werbe-Anzeigen bleiben dort rein optional. Eine Sache, die letztes Jahr sehr kritisch aufgenommen wurde.

Mit dem HTC One M8 wurden erstmals die sogenannten Motion Launch Gesten eingeführt, welche HTC mit dem HTC 10 ein bisschen erweitert.

Gänzlich neu wiederum ist die HTC-eigene Boost+ getaufte App. Vom Prinzip ist dies HTCs Variante des Telefon-Managers, wie er schon seit Jahren bei HUAWEI Verwendung findet. Neben der Möglichkeit temporäre Daten zu löschen – HTC nennt diese Funktion Smart Boost und kann automatisch im Hintergrund agieren – Apps zu verwalten oder ausgewählte Apps mit einer PIN zu sichern, ist der größte Vorteil die Option „Spiel Akku Booster“. Aktiviert man diese Funktion, wird die Auflösung des Displays künstlich auf FullHD gedrosselt, auf Wunsch auch nur für einzelne Spiele.

Alte Tugend und ein Fingerabdruck

Neu ist die Bedienung des HTC 10, wenn auch n urbedingt. Setzten die beiden Vorgänger-Modelle noch auf die Bedienung komplett übe das Display, setzt das neue Flaggschiff wieder auf die kapazitiven Tasten unterhalb des Displays. Das hat unter anderem den Vorteil, dass man diese mit einer Zweit-Belegung versehen kann wie im Fall der Multitasking-Taste.

Neu ist zudem die kapazitive Home-Taste, bei der es sich zudem um einen Fingerabdruck-Sensor handelt. Hier setzt HTC voll auf die Google-eigenen Implementierung und Einrichtung, was künftigen Updates enorm zugutekommen dürfte. In der Regel arbeitet der Sensor zuverlässig und auch schnell, nur manchmal braucht es einen zweiten oder dritten Anlauf, bevor das HTC 10 entsperrt ist.

Neues Zubehör

Neben dem Smartphone selbst hat der taiwanische Konzern auch gleich noch eine passende Hülle entwickelt. Was mit dem Dot View Case begonnen hat, ist mit dem HTC Ice View Case weiter gedacht worden. Anstatt zahlreiche kleine Punkte in der Hülle einzustanzen, ist das Ice View Case kurzerhand selbst transparent.

Auf diese Weise wird einerseits das Display vor ärgerlichen Kratzern in der Hosentasche geschützt und andererseits jederzeit der Blick auf das Display gewährleistet. So können bei geschlossenem Cover trotzdem Schnappschüsse auf Knopfdruck mit der Kamera angefertigt werden, zum nächsten Titel in der Playlist wechseln, eine eingehende SMS gelesen werden und weitere Dinge, die man für gewöhnlich „auf die Schnelle“ erledigt.

Fazit zum HTC 10

In den letzten Jahren hörte man den Satz nur zu oft, dass das neu vorgestellte Flaggschiff über die Zukunft von HTC entscheidet. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern kann das 699 Euro teure HTC 10 aber auch in fast allen Bereichen das abliefern was die anspruchsvolle Kundschaft gefordert hat.
Die Verarbeitung ist gewohnt erstklassig, das Smartphone pfeilschnell, Musik mit dem beiliegenden Headset ein wahrer Genuss und auch die Kamera-Technik spielt ganz oben mit. Einzig bei der Kamera selbst beziehungsweise dessen Software muss HTC noch etwas nachbessern, wie leicht überbelichtete Fotos beweisen. Doch bei der Usability, den Funktionen und vorinstallierten Apps, zeigen sich die Taiwaner geradezu vorbildlich. Insbesondere die zu 100 % optionale Bloatware, die sehr nah am Stock Android gehaltene Oberfläche und die HTC Sense beliebten Funktionen, werden auch dieses Jahr viele Kunden zu einem HTC Smartphone greifen lassen.

Post scriptum: Zu der HTC 10 Kamera werden wir in Kürze noch einen separaten Beitrag, samt Bildmaterial veröffentlichen!

Positiv
  • Kamera
  • (fast) Vanilla Android
  • Bloatware nur optional
  • Display
  • Verarbeitung
  • Audio Qualität (Kopfhörer)
Negativ
  • Überbelichtete Fotos
  • Gesprächqualität

htc-10-testurteil-go2androidtv

Wertung
Geschwindigkeit 5/5
Display 5/5
Funktionalität 5/5
Verarbeitung 5/5
Preis 4/5

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

2 Kommentare

  1. Nico schreibt:

    Hm. Theoretisch stünde mal wieder eine Vertragsverlängerung an. Das M8 hätte nach zwei Jahren in den wohlverdienten Ruhestand gehen bzw. als Zweitgerät mit Cyanogen seinen entspannten Lebensabend verbringen sollen. Ich bin sozusagen die personifizierte Zielgruppe (bereits HTC-Kunde seit Windows Mobile 5 Zeiten, goldrichtiger Zeitpunkt, etc.) für das neue 10. Aber der Funke will nicht recht überspringen…

    Was mir gefällt: Kameratechnisch scheinen sie endlich auf dem richtigen Weg zu sein. Fotografieren hat mit dem M8 (mir jedenfalls) definitiv keinen Spaß gemacht, spätestens bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Das ein Großteil der Bloatware über Bord geworfen wurde ist eine gute Nachricht. Die Kombination aus einem schlanken Sense und „purerem“ Android ist per se schon mal gut und führt im Idealfall hoffentlich zu schnelleren Updates. USB 3.1, wer würde da meckern, schneller Laden und Co. -> 🙂

    Was ich okay finde, aber nicht gebraucht hätte: Mehr Leistung, mehr Speicher, etc. Ja. Kann nie schaden. Ich hab’s bis heute nicht geschafft das M8 an seine Grenzen zu bringen, aber okay. So läuft halt die Welt. Und man will ja auch nicht gegen die Konkurrenz abstinken. Fingerabdruck-Sensor? Zeitgemäß. Komfortabler. Aber ich hätte auch ohne leben können (und unter den Umständen wollen, siehe nächster Absatz), aber okay. Höhere Bildschirmauflösung. Für’s „Aufsdisplaygucken“ Overkill. Full HD ist bei 5 Zoll schon knackscharf. Dann ist es also jetzt irrwitzig knackscharf. Okay, meinetwegen, AMOLED hätte ich aber lieber gehabt…

    Was mir nicht gefällt: Das Design. Nein, es ist weiß Gott nicht häßlich! Aber wenn ich ein Samsung- oder Apple-Gerät will, dann trage ich mein Geld gleich dort hin. Der viel gerügte „schwarze Balken“ (mit dem HTC-Logo) ist weg. Thereotisch. Zumindest ist er nicht mehr schwarz und trägt kein HTC-Logo. Vorhanden ist er natürlich immer noch und sorgt für die seltsam nach unten verschobene Platzierung der kapazitiven Tasten. Sieht unschön aus und der Abstand zum Bildschirm ist m.E. unpraktisch. Und da wären wir dann bei den Tasten… Ernsthaft jetzt, kapazitive Tasten? Evolution rückwärts? Irgendwo einen Fingerabdruck-Sensor anzubringen ist löblich — aber ich habe das ungute Gefühl, dem sind die Stereo-Frontlautsprecher zum Opfer gefallen. Neben der Sense-Oberflächte eigentlich das einzige und zu recht gelobte Alleinstellungsmerkmal der HTC-Flaggschiffe. Diese Idee hat schon beim A9 für wenig Gegenliebe gesorgt und da hätte man vielleicht schon ahnen können, daß es die vielleicht doch besser bleiben sollten. Daran ändert auch nichts das Rumgeeire mit dem gepimpten Mono-Sound und mit dem pseudo-Stereo „Theatre-Mode“. Der Power-Button ist an einer wirklich merkwürdigen Stelle. Gibt’s echt Leute, die den unbedingt noch einfacher erreichen müssen als die Lautstärke-Wippe? Wenn ja, warum? In der KFZ-Halterung (so ein Standard-„Schraubstock“) ist die Taste so jedenfalls gar nicht mehr erreichbar bzw. wird dauergedrückt? Und last but not least: Warum steht die rückwärtige Kamera aus dem Gehäuse heraus? Es gibt tatsächlich Menschen die wollen ihr Smartphone manchmal flach auf dem Tisch bedienen. Klar, bessere Optik und alles, kein Ding, einfach den Akku 2 mm dicker machen und alle haben was davon.

    Fazit: Viel Licht und viel Schatten. HTC nähert sich der Konkurrenz im Guten wie im Schlechten. Könnte funktionieren, könnte aber auch angesichts des Preises nach hinten losgehen. Für mich als HTC-Kunden ist es nur noch eine von vielen Optionen, aber nicht das nächste Große Ding, das ich unwiderstehlich haben muß. Schade.

  2. Tili schreibt:

    Ich hätte gerne meine Galerie zurück. Welche App empfiehlt sich hier? Und wie komm ich jetzt an meine Songs ran? Welche App brauch ich hierfür? Das hab ich auch noch nicht rausgefunden. Vor allem aber vermisse ich die DUAL KAMERA, die bei Events oder bei Landschaften mit integrierter Selfie-Funktion immer für viel Fun sorgte. Abgesehen davon komm ich mit der Tastatur noch nicht klar — ich muss jetzt hinter jedem Wort die Leertaste drücken, auch wenn ich oben bei den Vorschlägen ein Wort auswähle und dann weiter tippen will… früher geschah das automatisch. Und mir fehlen die Pfeilentasten!

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