[Test] Huawei P9 Plus: Wirklich das Beste vom Besten?

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test-huawei-p9-plusDer chinesische Hersteller Huawei hat sich in den vergangenen Jahren in den weltweiten Smartphone Verkaufscharts still und heimlich auf Platz 3 geschlichen, gleich hinter Samsung und Apple. Mit dem aktuellen Flaggschiff Modell – dem Huawei P9 – stellt man sich gleich einmal in 3 Preiskategorien auf, wovon wir uns nun heute mit dem Huawei P9 Plus die Premium Variante einmal genauer anschauen wollen.

Während sich die beiden kleineren Modelle das Huawei P9, welches ebenfalls über eine Leica Dual-Cam verfügt (zum Test) und dem Huawei P9 Lite ohne Leica und somit das Einsteiger Modell (zum Test) sich unserem Urteil beugen musste, steht nun mit dem P9 Plus das Premium Modell an. Für Huawei zwar untypisch – aber man ist inzwischen auch bei Premium-Preisen angelangt – reiht man sich mit 699 Euro in die Liga des Samsung Galaxy S7 (zum Test), dem LG G5 (zum Test) und dem HTC 10 (zum Test) ein. Aber bietet es auch soviel wie seine Konkurrenten?

Design und Verarbeitung

Wie immer fällt unser Antlitz ganz am Anfang auf die Verpackung des Huawei P9 Plus, welche in unserem Fall eine schlichte aber dennoch hochwertige weiße Schachtel aus Pappe ist. In dieser befindet sich neben dem eigentlichen Android Smartphone ein Netzteil inklusive dem entsprechenden USB Type-C auf USB Class A Kabel, ein Stereo-InEar-Headset, eine Quick Anleitung nebst Garantiebedingungen und ein durchsichtiges Case um die hochwertige Metall Rückseite zu schützen.

Wobei wir dann auch sogleich bei der Verarbeitung unseres Hauptdarstellers wären. Das Huawei P9 Plus ist zwar aus einem Aluminium Unibody, scheint aber dennoch auf der Rückseite ein leichtes Kunststoff Finish bekommen zu haben, was zu einem deutlich besseren und sicheren Grip führt. Immer noch kühl wie Metall mit leichter Tendenz zu Kunststoff. Man muss es einmal selber in der Hand gehabt haben.

Ein echtes Erlebnis ist das 2.5D Curved Display, welches rechts und links leicht gewölbt an den Rahmen geht. I love it! Natürlich bringen ein 5,5 Zoll Display, die entsprechende Gesamtgröße als auch Gewicht des Smartphones mit sich. Mit 162 Gramm gilt das P9 Plus beileibe nicht als Fliegengewicht, ist aber dennoch gut ausbalanciert, weist keinerlei Spaltmaße auf und kann auch sonst bei der Verarbeitung mit der Oberklasse getrost mithalten.
Nett auch die rote Umrandung des Power- und Standby-Button als kleines „Plus“ Merkmal.

Display

Huawei beweist trotz Premiumklasse dass es nicht zwingend ein Quad-HD Display sein muss. Das P9 Plus kommt mit 1.920 x 1.080 Pixel auf den Markt und kontert dafür mit einem Super AMOLED Display welches die bereits erwähnte Diagonale von 5,5 Zoll aufweist und somit das Größte im P9 Trio ist. Farbdynamik, Blickwickel, Helligkeit und Farbtreue sind alle eines Spitzenmodells würdig und geben keinerlei Anlass zur Kritik. Wer mit knackigen AMOLED Farben nicht zurecht kommt kann in der Software bei der die Farbtemperatur zwischen normal und lebendig wechseln.

Zur Präsentation des Huawei Mate S (zum Test) hatte das Chinesische Unternehmen noch vor Apple die sogenannte Touch Force Technologie im Livebetrieb vorstellen können. Jedoch gab es das nur in der Premium Version des Smartphones. Ähnlich verhält es sich bei der P9 Serie, denn auch nur dort gibt es das Touch Press genannte Feature in der Plus Variante.
Leider hat es das Unternehmen versäumt auch ausreichend Anwendungen für das drucksensitive Display zur Verfügung zu stellen. Lediglich die Foto-Galerie lässt einen Zoom in das Bild durch das „Press Touch“ zu. Nicht einmal die „Waage“ App, die es noch zum Huawei Mate S gab, findet man auf dem P9 Plus. Schade, tolles Feature welches einfach so verpufft.

CPU und GPU

In Sachen SoC (System on a Chip) greift Huawei zu seinen hauseigenen Produkten. Der HiSilicon Kirin 955 Octa-Core-Prozessor ist aktuell die absolute Speerspitze und somit für alle mobile Belange bestens gerüstet. Das stellt auch der Benchmarktest von AnTuTu mit 97.083 Punkten im ersten Anlauf deutlich unter Beweis. Sicherlich finden sich noch ein paar Anbieter mit einer höheren Punktzahl, doch dürfte man mit diesem Wert, gepaart mit satten 4 GB Arbeitsspeicher, in den nächsten Wochen und Monaten vor keine Probleme gestellt werden.

Antutu Benchmark
Entwickler: AnTuTu
Preis: Kostenlos

Technische Daten

Technische Daten des Huawei P9 Plus (VIE-L09)


Prozessor HiSilicon Kirin 955 Octa-Core-CPU (4 x 1,8 und 4 x 2,5 GHz GHz)
GPU: Mali-T880 MP4

Betriebssystem

Android 6.0.1 Marshmallow / EMUI 4.1

Interner Speicher

64 GB Interner Speicher (erweiterbar per MicroSD)

RAM

4 GB
Display 5,5 Zoll Super AMOLED Display mit 1.920 x 1.080 Pixel, 401 ppi

Anschlüsse

USB Type-C (2.0), 3,5mm Audio Klinkenanschluss

Abmessungen (HxBxT mm) / Gewicht

152,3 x 75,3 x 6,98 mm / 162 Gramm
Kamera 12 Megapixel Leica Dual-Cam Hauptkamera Blende f/2.2,
8 Megapixel Frontkamera Blende f/1.9
Internet WLAN ac/a/b/g/n, LTE Cat 6
Akku Kapazität 3,8 V/3.400 mAh
Preis UVP 699 Euro
Besonderheit Press Touch Display, Infrarot-Blaster, Leica Dual-Cam, Stereo-Sound

 

Akku

Das Huawei P9 Plus hat mit 3.400 mAh den stärksten Akku aus dem P9 Trio fest verbaut. Das macht sich trotz großem Display auch in der durchschnittlichen Laufzeit des Smartphones bemerkbar. Zwei Tage ohne Steckdose sind kein leeres Gerede unter Laborbedingungen, sondern tatsächlich realistische Werte. Es sei denn ihr nutzt das Android Smartphone zum Pokémon GO spielen. Hier werden natürlich alle Naturgesetze außer Kraft gesetzt.
Und ist der Akku tatsächlich einmal am Ende seiner Kräfte, so unterstützt dieser auch ohne Qualcomm-Technologie die Schnellladefunktion.

Konnektivität

Um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten hat das Premium Smartphone der P9 Kollektion wirklich alles an Bord was das technische Herz begehrt. LTE mit Cat 6, welches für Geschwindigkeiten bis zu 300 MBit/s gerüstet ist, NFC, Bluetooth im 4.2 Standard, WLAN im kompletten Umfang und sogar Infrarot für die Steuerung der heimische HiFi Anlage hat im dem P9 Plus Platz gefunden.

Telefongespräche werden zügig und stabil aufgebaut und auch über die Sprachqualität gibt es von keinen der beiden Gesprächspartner qualitative Einbußen zu erwarten.

Auch einen USB Type-C Port hat das P9 Plus verbaut, der leider nach wie vor „nur“ den 2.0 Übertragungsstandard unterstützt. Zumindest das „richtig rum reinstecken“ Problem entfällt so zumindest.

Kamera

Auch im Huawei P9 Plus ist eine lecker Leica Dual-Cam verbaut. Auch hier ist das Prinzip eines 12 Megapixel Sony Farbsensor und eines 12 Megapixel Sony Monochrome Sensor realisiert worden. Sofern man keine Schwarzweiß Fotos erstellt, werden die Ergebnisse zu einem fertigen Foto zusammengerechnet, was schon bei dem P9 zu einem hervorragenden Resultat geführt hat.
Foto-Ergebnisse der Leica Dual-Kamera könnt ihr in unserem separaten Beitrag einmal genau unter die Lupe nehmen:

Ich für meinen Fall bin mit der Experten-Software als auch der Qualität der Leica Dual-Cam mehr als zufrieden und würde sie als mit das Beste einordnen, was aktuell am Markt erhältlich ist. Auch wenn „unabhängige“ Test-Unternehmen wie DxOMark gegenteiliges behaupten.

Software

Auf der Softwareseite bewegt sich Huawei gewohnt auf Basis des neuesten Android 6.0.1 Marshmallow Betriebssystem mit der hauseigenen Benutzeroberfläche Emotion UI in der Version 4.1. Diese fällt primär durch den fehlenden App Drawer auf, welcher aber mit einem alternativen Launcher wieder zurück gebracht werden kann. Wer das iPhone Feeling liebt, kann Design technisch mit einem umfangreichen Angebot von Icons und kompletten Themes individuelle Klasse beweisen.
Ob Absicht oder auf unserem Redaktions-Testgerät als Ausnahme fiel mir äußerst positiv auf, dass man auf ein umfangreiches Bloatware Angebot trotz satter 64 GB internen Programmspeicher verzichtet hat.
Lediglich die jüngste Kooperation zu News Republic fällt da eventuell ins Gewicht. Doch da sind wir mit unseren News ja schließlich auch vertreten.

Multimedia

Eine weitere Besonderheit der Plus Version sind die Stereo Lautsprecher des P9. Einer verbirgt sich im „Telefon-Lautsprecher“ und einer unten rechts. Man kann sie also nicht als Frontlautsprecher bezeichnen und ich würde sogar soweit gehen und das Prädikat „Stereo“ ebenfalls entziehen. Denn der untere Lautsprecher hat ein deutlich stärkeres Volumen als der obere Lautsprecher. Und wenn dann im Querformat (Huawei nennt das Theatermodus) Musik gehört wird, kommt tatsächlich aus der linken Seite der linke Kanal doch leider völlig unbalanciert, da viel zu leise.

Bereits erwähnt habe ich schon die 64 GB intern verbauten Programmspeicher, welche bei Bedarf mit einer MicroSD-Speicherkarte entsprechend erweitert werden kann. Also ein Speicherproblem sollte mit dem Huawei P9 Plus nicht so schnell auftreten.

Fazit zum Huawei P9 Plus

Mit 699 Euro UVP reiht sich das Huawei P9 Plus in die Riege der Spitzenreiter wie das Samsung Galaxy S7, LG G5 und HTC 10 Smartphone ein. Das ist zwar auf den ersten Blick für erfahrene Huawei Kunden ungewohnt, findet aber durchaus seine Berechtigung. Weder in Verarbeitung, Performance, Austattung, Display-Qualität, Akku-Ausdauer oder gar der Kamera Ergebnisse, steht das P9 Plus den Marktführern in nichts nach. Eher im Gegenteil, ist es doch mit der Force-Touch-Technologie, dem Fingerabdrucksensor und den bereits bei vielen schon wieder vernachlässigten IR-Blaster, deutlich besser ausgestattet. Ganz von den 64 GB Speicher einmal abgesehen.
In sofern gibt es – wenn überhaupt – an der Definition Stereo-Lautsprecher Kritik zu üben, welche aber im Vergleich mit anderen Mono-Lautsprechern dennoch hervorragend klingen.

Kurzum – wer plant ein Premium Smartphone in naher Zukunft sich zuzulegen, sollte das Huawei P9 Plus ernsthaft in Betracht ziehen.

Positiv

  • Verarbeitung
  • 2.5D Display
  • Press-Touch-Technologie
  • IR-Blaster
  • Leica Dual-Cam
  • Akku
  • 64 GB
Negativ

  • Kein echter Stereo-Klang
  • Kein 3.1 Standard (USB Type-C)
  • zu wenig Press Touch Unterstützung

huawei-p9-plus-testurteil-go2android

Wertung
Geschwindigkeit 5/5
Display 4/5
Funktionalität 5/5
Verarbeitung 5/5
Preis 4/5

 

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Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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