Vivo X Fold im Test: Falten für Fortgeschrittene

Faltbare Smartphones haben sich bei uns in Europa noch nicht so gut etablieret wie im asiatischen Raum. So verwundert es auch nicht das Foldables wie das jüngst präsentierte Vivo X Fold noch nicht ihren Weg in deutsche Verkaufsregale gefunden haben. Doch wir haben uns den direkten Samsung Galaxy Z Fold4 Konkurrenten einmal in die GO2mobile-Redaktion kommen lassen und ausführlich getestet.

 

Allen Anschein gibt es hierzulande für Foldables nach wie vor keinen so großen Markt wie von vielen vermutlich gehofft. Das hängt zum einen mit dem zum Teil noch hohen Anschaffungskosten, als auch dem allgemeinen hohen Gewicht der Probanden zusammen. Auch unser heutiger Testkandidat, das Vivo X Fold bildet da keine Ausnahme. Will man es sich in Deutschland auf legalem Wege besorgen, dann führt der Weg ausschließlich zu unserem langjährigen Kooperationspartner TradingShenzhen, welcher somit auch für unser Test-Sample verantwortlich ist. Der aktuelle Einstiegspreis beläuft sich auf knapp 1.600 Euro*, was gelinde gesagt schon ein Menge Geld darstellt. Aber ist das unser Testkandidat am Ende wert? Das gilt es heute herauszufinden.

Wie immer bei einem Review, packen wir das zu testende Device erst einmal vor laufender Kamera aus.

Design und Verarbeitung

Das Vivo X Fold wurde gemeinsam mit dem Vivo X Note am 11. April im Heimatland China offiziell vorgestellt. Mit seinen Maßen von 162 x 74,47 x 14,57 Millimeter (gefaltet) und einem Gewicht von 315 Gramm ist es unumstritten ein echtes Schwergewicht. Und das nicht nur auf dem Datenblatt. Jedem den ich das Foldable einmal in die Hand gedrückt hatte, „kritisierte“ den ersten Eindruck – das hohe Gewicht. Und auch ich muss mich diesem Urteil hingeben: Das Vivo X Fold ist schwer. Zum Vergleich, ein Samsung Galaxy Z Fold3 wiegt „nur“ 271 Gramm.

Wir haben das hellblaue Modell erhalten, das trotz dem Gewicht gut in der Hand liegt. Es gibt aber auch eine schwarze Version, ebenfalls mit einer Leder-Imitat-Rückseite und zusätzlich mit einer Art vertikalen Gewebestreifen noch einmal akzentuiert. Gefällt mir persönlich besser – lässt sich aber schlechter fotografieren. Daher bleiben wir bei Himmelblau.

Beide Varianten geben Fingerabdrücke keine Chance, was direkt schon einmal zu den ersten Pluspunkten führt. Zur rechten Seite hin (im zugeklappten Zustand) ist es vorn wie hinten abgerundet, was sicherlich zusätzlich zu besseren Haltungsnoten führt.

Vivo X Fold im Review

Etwas auffällig ist das kreisrunde Kameramodul auf der Rückseite, welches mit einer quer über das Smartphone ausbreitenden Glasplatte für ein Foldable auch nicht zwingend üblich ist. Doch Vivo kooperiert auch hier mit dem deutschen Optik-Spezialisten Carl Zeiss und das will man vermutlich auch entsprechend dominant in Szene setzen. Doch zu den besonderen Qualitäten der Quad-Kamera später mehr.

Eine weitere Besonderheit ist der seitliche Alert-Slider. Er ist zwar nicht wie bei OnePlus in drei Stufen unterteilt, sondern nur in zwei, aber immerhin. Ich persönlich habe im Laufe meiner OnePlus-Liebe diesen seitlichen Schalter lieben gelernt und werde ihn wohl in Zukunft vermissen müssen, sofern die Gerüchte dazu stimmen. Bleiben wir gleich bei der seitlich verbauten Hardware. Im zugeklappten Zustand befinden sich alle Buttons auf der rechten Seite, da ja links das Scharnier untergebracht ist, welches das Display praktisch stufenlos in jeder Position verharren lässt. Das Scharnier macht einen sehr hochwertigen Eindruck und lässt beide Seiten ohne einen erkennbaren Spalt zusammenklappen.

Der genannte Alert-Slider ist also relativ weit oben auf dem oberen „Flügel“ und der Power- und Standby-Button als auch die darüber liegende Lautstärke-Taste fast mittig auf dem unteren Trakt hervorragend positioniert. Alles im Aluminiumrahmen solide verarbeitet und mit einem guten Druckpunkt/Schaltmechanismus versehen. Auf der Unterseite befindet sich ein USB-Typ-C-Port, der SIM-Tray für zwei Nano-SIM-Karten und ein Lautsprecher. Auch die Oberseite ist mit einem gleichwertigen Lautsprecher und einem Infrarot-Blaster ausgestattet.

Vivo X Fold im Review

Den Sound würde ich als ausgesprochen gut beurteilen. Gut – Bass fehlt beim Smartphone traditionell immer, dennoch ausgewogen und auch mit einer guten Lautstärke gesegnet. Vielmehr enttäuschen die Positionen der „Boxen“. Beide fast mittig mit Tendenz im aufgeklappten Quermodus nach unten. Somit würde man diese beim Spielen zuhalten. Man kann das Foldable natürlich auch umdrehen, der automatische Modus unterstützt das bei fast allen Spielen, doch dann hält man das kreisrunde Kamera-Array in seiner rechten Hand. Ein Umstand mit dem man vermutlich zugunsten eines besseren Klangerlebnisses leben kann.

Vivo X Fold im Review

Display

Für ein Foldable nicht ganz untypisch, bietet auch das Vivo X Fold gleich zwei Displays. Eines auf der Außenseite und ein eben faltbares Display auf der Innenseite. Für den „schnellen“ Gebrauch steht eine Diagonale von 6,53 Zoll im 21:9 Seitenverhältnis außen zur Verfügung. Geschützt wird es durch Corning Gorilla Glass Victus (Gen.7). Es löst mit 2.560 x 1.080 Pixel (Full HD+) auf und bietet eine maximale Bildwiederholrate von 120 Hertz. Es scheint sich hierbei um ein E5-AMOLED-Panel von Samsung zu handeln, welches eine gute Darstellung bietet, obwohl es durchaus ein wenig heller sein dürfte.

Vivo X Fold im Review

Allen Anschein nach hat man das innenliegende 8,03 Zoll große Display mit einer höheren Helligkeit ausgestattet. Stolze 1.100 nits haben wir innen entgegen den 740 gemessenen Lumen gemessen. Unter direkter Sonneneinstrahlung war in unserem Fall das Außendisplay nicht mehr ablesbar.

Innen begrüßt uns dann ein Xensation-Flex-LTPO-Panel mit einer Auflösung von 2.160 x 1.916 Pixel in der zweiten Generation und einem Seitenverhältnis von 4:3. Bildschirme mit einer verbauten LTPO-Technologie (Low-Temperature Polycrystalline Oxide) sind in der Lage variable Frequenzen bereitzustellen. In unserem Fall beispielsweise 1 Hertz beim lesen von Texten und 120 Hertz beim zocken von ressourcenhungrigen Games.

Vivo X Fold im Review

Den Schutz bietet ein 30 Mikrometer dünnes Ultra Thin Glass (UTG) aus der SCHOTT Familie. Es überzeugt durch eine sehr gute Blickwinkel-Stabilität, hervorragenden Kontrast und der Darstellung von schönen knackigen Farben. Bleibt noch ein anschließender Satz zur „Knickfalte“. Der Hersteller hatte wie auch Oppo beim von uns getesteten Find N von einer nicht sichtbaren Falte gesprochen. Während wir dem Oppo-Device dieses Versprechen durchaus bestätigen können, stimmt diese Aussage beim Vivo X nur bei einem direkter Draufblick. Von der Seite her ist mehr als deutlich die Falte zu sehen. Tragisch finde ich das jedoch nicht und fließt auch nicht negativ in die Bewertung ein. Nur einmal zum Thema, was der Hersteller so sagt und was die Realität widerspiegelt.

Display-Fazit

Beide Bildschirme sind in Innenräumen wohl das Beste was es aktuell am Markt gibt. Wer bei einstrahlender Sonne auch draußen mit seinem Vivo X Fold tätig werden will kann das Außenpanel gleich einmal abschreiben. Beim erstellen unserer Testfotos waren die Kameraeinstellungen trotz maximaler Helligkeit nicht mehr erkennbar. Innen kein Problem. Aber nicht immer will man mit einem „Tablet-Bildschirm“ fotografieren oder filmen. Weiterhin würden wir uns eine bessere Software-Unterstützung samt Stylus-Support für das große innenliegende Panel wünschen.

Prozessor und Speicher

Das Vivo X Fold hat natürlich einen Snapdragon 8 Gen 1 Octa-Core-Prozessor verbaut. Etwas schnelleres gibt es vor dem 3. Quartal 2022 nicht, auch wenn ein Nachfolger mit dem Snapdragon 8+ Gen 1 bereits vorgestellt wurde. Der Qualcomm-SoC ist uns nicht ganz neu und wurde bereits einige Male von uns getestet. So im Motorola Edge 30 Pro, im Xiaomi 12 Pro und zuletzt im Honor Magic4 Pro. Jeweils mit einem anderem Ergebnis was die Leistung und dessen Hitzeentwicklung anbelangt. Was der Flaggschiff-Prozessor also in unserem Vivo-Foldable zu leisten vermag, war im Vorfeld komplett unklar.

So sind wir natürlich über die gemessenen 42,5 Grad nicht wirklich erfreut. Aber im Gegensatz zur genannten Konkurrenz ein sauberes Mittelfeld. Xiaomi schoss den Vogel mit gemessenen 47,3 Grad ab. Motorola erfreute uns mit 43,6 Grad und unser Proband liegt mit 42,5 Grad knapp drunter. Gewinner war das Honor Magic4 Pro mit 38,3 Grad und einem throttling auf knapp 213 GIPS. Das Vivo zieht uns runter auf 184 GIPS, was ich persönlich schon als Frechheit empfinde. Dann baut doch bitteschön gleich einen Snapdragon 870 SoC (System on a Chip) ein. Zumal auch hier mit extragroßen Flüssigkeits-Dampfkammern geworben wurde. Doch über das Thema philosophiere ich bei jedem Review auf Neue.

Würde der Hersteller auf den deutlich preiswerteren Snapdragon 870 greifen, würde das definitiv harte Abzüge im Schulhof-Quartett geben. Also nimmt man das Neuste vom Neuesten und drosselt softwareseitig. Am Ende des Tages bleibt: der Snapdragon 8 Gen 1 wird euch im X Fold zu keinem Zeitpunkt enttäuschen. In die Knie geht dieser Prozessor auch im gedrosselten Zustand nicht.

Speicher

Unser Modell ist mit 12 GB LPDDR5 RAM und 256 GB internen UFS 3.1-Programmspeicher ausgestattet. Eine optionale Erweiterung mittels einer microSD-Speicherkarte ist nicht vorgesehen. Dafür eine Variante mit identischen Arbeits-, aber 512 GB Programmspeicher. Schnell ist dieser allemal. Laut den Kollegen von Chinahandys.net mit einer Schreibrate von 660 MB/s und einer doppelt so schnellen Leserate von 1.420 MB/s. Auf Wunsch lassen sich noch zusätzliche 4 GB von eurem Programmspeicher „virtuell“ auf den 12 GB Arbeitsspeicher kumulieren. Den Sinn dahinter verstehe ich angesichts RAM im Überfluss nicht.

Kamera des Vivo X Fold

Test the Vivo X Fold

Vivo präsentiert uns wohl einer der ersten großen Foldables mit einer ausgeprägten Quad-Kamera. Entstanden in enger Kooperation mit dem deutschen Optik-Spezialisten Carl Zeiss, welche sich nicht nur auf die Optik beschränkt. Die Linsen spielen in der Fotografie neben den verbauten Bildsensoren wohl die wichtigste Vorrausetzung für gelungene Fotos. Gerade die Zeiss T*-Beschichtung sorgt bei der Fotografie für eine überragende Entspiegelung. Die Transmissions-Beschichtung steht für einen Meilenstein in der Fotografie und gewährleistet ungewollte Flares zu vermeiden.

Technische Daten der Hauptkamera

Vorab typisch bei GO2mobile die harten Fakten. Vivo verbaut für die Hauptkamera einen 50-Megapixel-ISOCELL GN5-Bildsensor von Samsung. Er hat eine Größe von 1/1.57 Zoll und eine Pixel-Größe von einem Mikrometer. Die Blende beträgt f/1.8 und wird optisch stabilisiert.

Die Ultra-Weitwinkelkamera bekommt mit dem Sony IMX598-Sensor ebenfalls eine Auflösung von fast 50 Megapixel (48 MP). Die äquivalente Brennweite beträgt 14 Millimeter und die maximale Blende liegt bei f/2.2. Das Sichtfeld beträgt 114 Grad, was nicht gerade die Speerspitze der mobilen Fotografie darstellt. Also das „Ultra“ könnte auch getrost aus der Bezeichnung fern bleiben.

Weiter geht es mit im Grunde gleich zwei Telefoto-Kameras. Die eine mit einem 12-Megapixel-IMX663-Sensor ausgestattet, der mit einer Blende von f/2.0 und einen 2-fachen optischen Zoom bei einer äquivalenten Brennweite von 47 Millimeter fotografiert.
Die Zweite ist hingegen eine 8-Megapixel-Periskop-Kamera. Ihre äquivalente Brennweite endet bei stattlichen 125 Millimetern. Sie bietet immerhin eine 5-fache verlustfreie Vergrößerung. Maximal – und somit komplett digital – ist eine 60-fache Vergrößerung mit einer maximalen Blende von f/3.4 möglich.

Frontkamera

Das Vivo X Fold hat gleich zwei Punch-Hole-Kameras verbaut. Beide mit 16 Megapixel bei einer Blende von f/2.5. Jedoch verwendet man unterschiedliche Image-Sensoren. Ist es außen ein Samsung ISOCELL 3P9, so kommt innen ein Hynix HI1634Q zum Einsatz.

Eben jene Kamera führt ein wenig zum Ärgernis. Sie ist nicht wie außen oben mittig in das Panel positioniert (Punch Hole), sondern oben rechts. Auch nicht komplett in der Ecke, sondern wenn man so will, mittig des rechten Bildschirms wenn man ihn denn umklappen würde (siehe unteres Foto).

Was sich Vivo dabei explizit gedacht hat, wollte sich mir nicht erschließen. Hinzukommt das beide Frontkameras übertrieben groß sind.

Test the Vivo X Fold

Ungewöhnlich das neben den verschiedenen Sensoren auch ein unterschiedliches Sichtfeld je nach Wahl der Selfie-Kamera zur Verfügung steht. Das tut der allgemeinen Qualität keinen Abbruch, sollte man aber als Nutzer wissen. Mit der Knipse auf dem Außendisplay ist der Betrachtungswinkel deutlich höher.

Klappt man das Foldable auf rückt auch ihr mehr in den Fokus der Aufnahme.

Selbstredend stehen auch den beiden „Frontkameras“ jede Menge Farbfilter und andere Spielereien wie dieser lustige „Pop Comic“-Rahmen zur Verfügung.


Doch generell sollte man an der Qualität dieser beiden Kameras keine all zu großen Ansprüche haben. Nicht weil sie diese nicht abliefern würden, sondern weil bei einem Foldable der unschlagbare Vorteil besteht, ein Selbstportrait mit der deutlich hochwertigeren Hauptkamera zu erstellen. Und zu deren Qualitäten kommen wir jetzt.

Tagesaufnahmen

Kaum ein Hersteller versagt bei den Tagesaufnahmen, da naturbedingt es auch die Zeit ist, wo die meisten Fotos erstellt werden. Klingt logisch, ist aber nicht der Fall. Vielmehr ist das ausgesprochen gute Licht dafür verantwortlich, dass die Bildsensoren maximale Informationen einfangen können.

Und so kann das X Fold ebenfalls in dieser Kategorie maximal überzeugen. Geniale Schärfe, ein sehr guter Kontrast und auch die Dynamik scheint sich nicht in der Tiefe zu verlieren. Einziger Kritikpunkt – wenngleich es sich hier eher um den subjektiven Geschmack handelt – die Farben. Jene sind meiner Meinung nach ab und an ein wenig drüber. Also zu knackig.

Aber Stopp! Auch daran wurde gedacht. Und da kommt der deutsche Kooperationspartner Zeiss zum Einsatz, der by the way auch einiges an Filter im Portraitmodus bereit gestellt hat. Keine echten Objektive, sondern softwareseitig simuliert. Doch zurück zu dem eigentlichen „Farbproblem“. Denn es gibt oben in der Kamera-App einen dominant positionierten „Zeiss-Button“, welcher im Grunde simpel ausgedrückt die Farben natürlicher darstellt. Wer also auf eine überzeichnete Farbdarstellung verzichten will, wählt einfach diese Einstellung.

Weitwinkelaufnahmen

Es ist schon erstaunlich was mit dem Weitwinkel-Objektiv plötzlich mit in das Bild rutscht. Hauptkriterium ist in diesem Fall der Fotografie, dass die beiden Bilder mit den unterschiedlichen Kameras auch das nahezu identische Ergebnis beim Thema Farben und Kontrast abliefern. Das weiß unsere Vivo-Quad-Kamera vollendend zu erfüllen. Ab und an waren leichte Verzerrungen am Rand zu erkennen. Jedoch nicht durchgängig.

Schaut man sich die Fotos in einer unnatürlichen Vergrößerung am Computer an, dann erkennt man auch leichte Tendenz zum Verlust der Schärfe. Ob das so gewollt ist, konnte uns nicht gesagt werden. Ob es der Kunde mag ist wieder individuell zu beurteilen. Ich für meinen Teil finde das unvorteilhaft.

Nacht-Aufnahmen

Die Parade-Disziplin bei der sich Smartphone-Kameras der Welt von einander unterscheiden, ist die Nachtfotografie. Wenig Licht auf den Imagesensor sind der Grund für die allgemeinen Probleme. Meist ist dadurch eine höhere Belichtungszeit notwendig, wo der Künstler der Gerät möglichst still halten sollte. Oder er nutz ein Stativ. Der Vorteil bei unserem Foldable ist, dass man das Smartphone im 90 Grad Winkel ablegen kann. Also ein „Stativ“ an Bord hat. Aber darauf achten worauf ihr euer Außendisplay legt!

Doch auch ohne diesen Trick gelingen die Nachtaufnahmen mit dem Vivo X Fold überraschend gut. Auch wenn ein separater Nacht-Modus bereit steht, erkennt das faltbare Vivo-Smartphone diese Umgebung automatisch. Die Belichtung fällt jedoch dann geringer aus, was in manchen Fällen, wo man nicht die Nacht zum Tag machen möchte, durchaus vorteilhaft sein kann.

Zoom-Aufnahme

Das Vivo X Fold hat nicht nur eine Tele-, sondern auch noch eine zusätzliche Periskop-Kamera an Bord. Das ermöglicht euch bei einer Zoom-Aktion den Einsatz von insgesamt drei Objektiven, samt unterschiedlicher Sensoren. So können wir also bis zu einer fünffachen Vergrößerung verlustfrei zoomen. Das ist schon ziemlich geil für denjenigen der es braucht.

Und ihr werdet euch wundern wie häufig in der täglichen Fotografie dieser nun auch ohne Bedenken eingesetzt werden kann und auch sollte. Selbst von Motiven die gar nicht so weit entfernt von euch sind. Denn wie ihr an unseren Testfotos erkennen könnt sind die Ergebnisse durchaus genial. Keine Frage, alles was über eine 20-fache – hoch bis zu einer 60-fachen Vergrößerung liegt, ist digital und reine Spielerei.

Makro-Aufnahmen

Vivo hat dem X Fold keinen separaten Makromodus spendiert. Es gibt oben eine Einstellung mit dem Namen „Super-Macro Automatisch/Ein/Aus“, was dem in etwa gleich kommt. Die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen, aber es ist noch Luft nach oben. Das beweist – Achtung Spoiler – unter anderem das Vivo X80 Pro, welches leider schon viel zu oft für Vergleiche herangezogen wurde, obwohl der ausführliche Test noch ansteht. Was mich persönlich stört ist, dass hier kein zusätzliches zoomen möglich ist. Beim X80 Pro im Übrigen auch nicht. Aber was ich so bei unseren Mitbewerbern so lese, wird die Makrofotografie eh selten genutzt. Ich steh total drauf.

Kamera-Fazit

Keine Frage, sieht man einmal von dem Oppo Find N ab, dann sind die Ansprüche an die Hauptkamera eines Foldables immer von den Herstellern zurückgestellt worden. Das scheint nun beim Vivo X Fold anders zu sein. Man bekommt im Grunde sogar den Eindruck, dass es sich hier um eines der Hauptkriterien handelt, bei denen Vivo höchste Ansprüche an den Tag legte.

Und das bekommt der Nutzer auch zu spüren. Fast schon selbstverständlich liefert Vivo in dieser Disziplin überragend ab. Wenn man das Haar in der Suppe sucht, so wird es vermutlich bei den Weitwinkel-Aufnahmen gefunden. Hier neigt die Qualität zum Rand hin abzunehmen. Wem die auf Steroiden überzeichneten Farben nicht gefallen, schaltet einfach den „Zeiss-Modus“ dazu und alles wirkt natürlicher.

Und noch einmal in die Zukunft geschaut: es geht noch besser. Doch die Konkurrenz kommt aus dem eigenen Haus und heißt Vivo X80 Pro. Doch dieser Review steht noch an. In diesem Zusammenhang sind auch die Bilder von dem Berliner Launch im Zeiss-Großplanetarium entstanden.

Akku des Vivo X Fold

Zu unserer Überraschung ist in unserem Testkandidaten ein 4.600 mAh starker Akku verbaut. Überrascht daher, da wir von dem hohen Gewicht ausgehend doch mit deutlich mehr gerechnet haben. Gerade weil durch die zwei „Flügel“ auch mehr Platz als in einem herkömmlichen Smartphone vorhanden ist. Gut, das war dann also erst einmal eine kleine Enttäuschung.

Test the Vivo X Fold

Doch der Benchmark machte mit 14 Stunden (Außendisplay) möglicher Akku-Laufzeit schnell den Eindruck, doch nicht zu knapp bemessen zu sein. Und siehe da – ein Test im realen Leben und unter durchschnittlichen Einsatz, überzeugte uns von dem Gegenteil. Die Akkukapazität hat uns geradewegs überrascht. Trotz der maximalen Bildwiederholrate von 120 Hertz auf dem Innen- und Außendisplay, relativ hoher Helligkeit und den typischen Kommunikationen via Telefon und WhatsApp, sowie dem Empfang von E-Mails und Benachrichtigungen, waren am Abend in der Regel noch 20 Prozent Energie im Tank.

Test the Vivo X Fold

Der Akku kann dann mit dem mitgeliefertem 80-Watt-Netzteil binnen einer halben Stunde recht zügig wieder aufgeladen werden. Dieses hat nebenbei bemerkt gleich zwei USB-Typ-C-Ports, zum Aufladen zweier Geräte gleichzeitig. Das Vivo X Fold kann für ein Foldable ungewöhnlich, sowohl selbst Kabellos mit bis zu 50 Watt aufgeladen werden, als auch kabellose Energie mit bis zu 10 Watt abgeben.

Test the Vivo X Fold

Sicherheit und Software

Das Vivo X Fold hat leider noch nicht den wirklich genialen und übergroßen Fingerabdrucksensor vom Vivo X80 Pro an Bord, welchen wir bereits vergangene Woche beim Launch-Event in Berlin kennenlernen durften. Aber auch der hier verbaute Sensor zum Entsperren des Foldables ist sicher und schnell. Eine kleine Besonderheit: es gibt ihn sowohl auf dem Außen- als auch dem faltbaren Innendisplay. Perfekt positioniert. Außen im unteren Drittel und innen in der unteren rechten Ecke.

Test the Vivo X Fold

Ebenfalls ist das Entsperren mit dem Gesicht – also der Frontkamera möglich. Auch hier keine Beanstandungen. Schnell – sicher und zuverlässig ist das Motto.

Test the Vivo X Fold

Kommen wir zu dem meiner Meinung nach nervigsten Thema des mir vorliegenden Vivo X Fold. Das vorinstallierte OriginOS auf Basis von Android 12 hätte mich fast sobald gehabt, dass ich den Test vorzeitig abbreche. Vorweg, die deutsche Sprache ist auf dem Gerät aus wählbar.

Doch einige der unzähligen China-Apps lassen sich nicht deinstallieren. Beziehungsweise nur sehr umständlich. TradingShenzhen hat dafür mal eine Video-Anleitung erstellt. Ich sag mal so, danke dafür – ich habe dies mit Absicht aber erst einmal gelassen. Wir wollen ja das Device so testen wie ihr es geliefert bekommt.

Manche Dinge wie das herunterladen von Klingeltönen, Wallpaper oder gar ganzen Themes ist nur mit einem Vivo-Konto möglich. Das geht aber nicht, da keine benötigte deutsche Vorwahl bei der Registrierung zur Auswahl steht. Auch da hilft das Video von unserem Import-Experten. Aber ihr merkt – es ist umständlich. Es werden die ersten Wochen immer wieder chinesische Benachrichtigungen reinschneien. Angeblich lernt die künstliche Intelligenz (KI) im Laufe der Zeit was für euch von Interesse ist und was eher nicht.

Test the Vivo X Fold

Der Google Play Store läuft ohne Probleme. Ebenfalls Netflix und Konsorten dank Widevine Level 1. Auch Google Pay geht klar. Das Smartphone bietet auch jede Menge Einstellungen. Die meisten sind auch sehr nützlich. Nur finden muss man sie erst einmal.

Einer dieser Features welches erst einmal eingeschaltet werden muss, ist das „Easy-Touch-Menü“, dass mit einer seitlichen „Blase“ immer und überall vorhanden ist und für euch nützliche Anwendungen und Schnell-Werkzeuge verfügbar macht. Es gibt auch unzählige Widgets, welche es ebenfalls im Laufe der Zeit zu entdecken gilt.

Ein weiteres Kriterium ist die unsaubere Umsetzung des Vollbildmodus, beziehungsweise des geteilten Bereich im Innenbereich. Das scheint mir reine Glückssache zu sein. Kein Wunder, wurde das Smartphone für chinesische Anwendungen konzipiert. Was beispielsweise im Kameramodus hervorragend funktioniert, geht bei YouTube nicht. Manche Spiele werden Bildschirmfüllend dargestellt, andere sollt man lieber auf dem Außenpanel spielen. Das funktionierte zumindest in unserem Test mit allen Apps und Spielen immer.

Test the Vivo X Fold

Pro und Contra

Pro

  • Überragendes Innendisplay
  • 120 Hertz innen wie außen
  • Nicht die beste aber einer der besten Kameras
  • Sehr guter Sound
  • Gute Laufzeit trotz „kleinem“ Akku
  • Deutschsprachig
  • LTE-Band 20

Contra

  • Zu dick und schwer
  • Immer noch zu schwer
  • Maximale Helligkeit des Außendisplays
  • Menüführung verwirrend
  • Softwareumsetzung teilweise schlecht
  • Snapdragon 8 Gen 1 eigentlich unnütz
  • Riesige Frontkameras
  • Kein Stylus-Support

Das Fazit des Vivo X Fold

Das Vivo X Fold stellt in unserer Testumgebung eine Zäsur dar. Nicht aufgrund des faltbaren Displays. Nein vielmehr, desto länger ich das Foldable nutze um so besser gefällt es mir. Anfangs war ich regelrecht von dem hohen Gewicht, dem chinesischen UI-Schnick-Schnack und immer wieder auftauchenden chinesischen Benachrichtigungen trotz deutscher Systemwahl abgeschreckt. Inzwischen habe ich das Vivo X Fold besser kennen gelernt und es mich. Denn die KI kann tatsächlich gerade im Benachrichtigungsfester dazu lernen was euch interessiert und was nicht.

Das Vivo X Fold in GO2mobile Test

Beide Displays haben im Test fast auf ganzer Linie überzeugt. Zwei Abzüge gibt es. Zum einen erkennt man entgegen den Vivo-Aussagen eine Knickfalte und das Außendisplay ist unter einstrahlender Sonne nicht mehr ablesbar. Weiterhin gibt es keinen Stift-Support. Oh – das waren jetzt drei Punkte.

Das ultimative Killer-Feature dürfte aber die sehr gut aufgestellte Zeiss-Kamera sein. Insgesamt sechs verbaute Kameras durfte wohl noch nie ein Foldable verbaut haben. Wobei das Find N von Oppo ebenfalls gefallen hat. Dort war vermutlich der Nachtmodus einen Tick besser. Dafür überzeugt das Vivo X Fold bei Tages- und Zoom-Aufnahmen.

Das Vivo X Fold in GO2mobile Test

Bleibt der Preis von knapp 1.600 Kracher. Dafür müssen Großmütter der Welt lange stricken. Also keine Frage – echt viel stricken. Und ich sag mal jetzt so wie es ist: Man muss den Formfaktor Foldable schon sehr mögen um eine derartige Summe zu investieren und das üble Kampfgewicht von 315 Gramm in der Hose zu akzeptieren. Eine echte Kauf-Empfehlung gibt es daher diesmal nicht. Dann doch lieber das Oppo Find N.

  • 8.8/10
    Hardware - 8.8/10
  • 8.6/10
    Verarbeitung - 8.6/10
  • 5.7/10
    Software - 5.7/10
  • 8.5/10
    Performance - 8.5/10
  • 9.4/10
    Kamera - 9.4/10
  • 8.1/10
    Akku - 8.1/10
  • 6.6/10
    Preis/Leistung - 6.6/10
8/10

Kurzfassung

Satte 1.600 Euro sind für ein Android-Smartphone einfach zu teuer. Auch wenn es sich wie in unserm Fall um das Vivo X Fold handelt. Also einem Foldable.
Ohne Frage eine tolle Zeiss-Quad-Kamera, zwei geniale Displays mit 120 Hz und ein schneller Snapdragon 8 Gen 1.
Die 315 Gramm Kampfgewicht wären noch verschmerzbar. Die für europäische Ansprüche schlecht umgesetzte System-Software hingegen nicht. Nicht bei dem Preis. Sorry Vivo – ich habe diesmal kein Foto für dich!

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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