Huawei P40 Pro im Test: Wie gut geht es ohne Google-Garantie

Das Huawei P40 Pro ist das aktuelle Flaggschiff des durch die USA angeschlagenen chinesischen Unternehmens. Neben dem Smartphone, seiner Verarbeitung und der Leica Quad-Kamera interessiert uns natürlich die vorinstallierte Software besonders. Denn erneut stellen wir uns die Frage, ob die Huawei Mobile Services inzwischen bereit für den europäischen Kunden sind. Ist dem Unternehmen die Umstellung des Google Play Store zur Huawei App Gallery hierzulande gelungen? Das soll unser nun folgende Test klären.

Huawei P40 ProErneut musste Huawei harte Tiefschläge aus den USA einstecken, welche die Aussicht auf die in Europa etablierten Google Mobile Services samt dem Google Play Store, YouTube, Google Maps oder der Gmail Synchronisation, in weite Ferne rücken lassen. Wenn nicht die Verlängerung auf ein weiteres Jahr Black-List und der Einmischung in die Chip-Produktion Huawei dazu veranlassen der USA endgültig den Rücken zu kehren.

Stellt sich also einmal erneut die Frage, was ist inzwischen nach unserem Test mit dem Huawei Mate 30 Pro passiert? Sind die Huawei Mobile Services und das App-Angebot der hauseigenen AppGallery soweit, dass sie europäischen Ansprüchen genügen? Diese Fragen soll uns nun das in der GO2mobile-Redaktion eingetroffene Huawei P40 Pro in Silver Frost beantworten.

Huawei Mate 30 Pro im Test: Flaggschiff-Killer ohne Zähne

Design und Verarbeitung

Huawei gehört zu einer der wenigen chinesischen Smartphone-Hersteller, die in unserem Fall seit der IFA 2011 mit dem Huawei Vision eine hervorragende Verarbeitung und Qualität abliefern. Da macht das heutige P40 Pro keine Ausnahme. Keine scharfen Kanten, die Tasten an der richtigen Position und mit 209 Gramm schon ein kleines Schwergewicht.

Auf eine analoge Klinkenbuchse muss man im Jahre 2020 genauso verzichten, wie auf eine Benachrichtigungs-LED. Dafür gibt es aber einen IR-Blaster auf der Oberseite. Die Glas-Rückseite gefällt in einem matten Silber, welches Fingerabdrücke gut zu verstecken weiß. Recht dominant oben links die Leica-Quad-Kamera, welche mit seinem rechteckigen Array aus dem IP68 zertifizierten Gehäuse steht. Wer das Smartphone auf dem Tisch liegend nutzen möchte, muss natürlich ein kippeln in Kauf nehmen. Auf der Vorderseite verbaut Huawei ein nach allen Seiten gebogenes Display. Das bietet dem Nutzer eine tolle Haptik und wirkt optisch, als könnte das Smartphone auf den Metallrahmen verzichten.

Quad-Curve Overflow Display

Die Diagonale des P40 Pro beträgt 6,58 Zoll (16,7 Zentimeter) und bietet dem OLED-Display eine Auflösung von 2.640 x 1.200 Pixel bei einer Bildwiederholrate von 90 Hertz und 441 ppi. Auf Wunsch kann diese aber auf 60 Hertz und 1.760 x 800 Pixel reduziert werden. Die Qualität des Displays ist ohne Fehl und Tadel. Geniale Blickwinkelstabilität, knackige Farben und ein hoher Kontrast. Kritik auf hohem Niveau gibt es für die maximale Helligkeit. Hier steht das Samsung-Display des Oppo Find X2 Pro bei 120 Hertz und 1.200 nits unter direktem Sonnenlicht etwas besser dar.

Etwas gewöhnungsbedürftig die dicke schwarze Pille oben links für die Dual-Frontkamera. Auch das Huawei P40 Pro besitzt ein Always on Display für die Uhrzeit und der Darstellung von eingehenden Benachrichtigungen.

Huawei P40 Pro

Prozessor und Speicher

Huawei verbaut in dem P40 Pro einen hauseigenen HiSilicon Kirin 990 Octa-Core-Prozessor mit einer Mali-G76 GPU. Dieser unterstützt wie sein Mitbewerber der Snapdragon 865 den schnellen LTE-5G-Standard und ist dem Prozessor von Qualcomm durchaus ebenbürtig. Die 8 GB Arbeitsspeicher sind zwar in der Flaggschiff-Klasse nicht mehr so ganz Standard, reichen aber aktuell noch komplett aus. Verärgert sind wir hingegen über die Erweiterungsmöglichkeit des 256 GB großen internen Programmspeichers. Denn da gibt es nur den Huawei eigenen NanoMemory-Standard.

Ultra Vision Leica 4-fach Kamera

Huawei P40 Pro

Über die Leica-Quad-Kamera wollen wir uns gar nicht groß auslassen. Das ist an anderer Stelle schon ausführlich geschehen. Die Kombination aus einer 50-Megapixel-Hauptkamera inklusive optischem Bildstabilisator (OIS), einer Weitwinkellinse mit 40 Megapixel und ein 12-Megapixel-Teleobjektiv ebenfalls mit OIS, sowie einen „Time of Flight“-Tiefensensor ist aktuell marktführend. Egal ob 32-Megapixel-Selfies, Nachtfotos, Landschafts- oder Macro-Aufnahmen – hier gelingt einfach alles.

Selbst bei dem legendären Vollmondfotos konnte die Vergrößerung des Huawei P40 Pro trotz Konkurrenz vom südkoreanischen „Space Zoom“ uns komplett überzeugen. Wenngleich unsere maximale Empfehlung dem 10-fachen optischen Hybrid-Zoom gilt.

Akku

Huawei verbaut in dem P40 Pro einen Akku mit einer Kapazität von 4.200 mAh. Das sind keine Rekordwerte, reichen aber dennoch für die meisten Anwender für zwei Tage. Unser Akku-Test attestiert dem Flaggschiff eine Laufzeit von etwas mehr als 10 Stunden. Selbstredend stehen kabelloses Laden (max. 27 Watt), wie auch das „Reverse Charge“ anderer Qi-tauglichen Geräte zur Verfügung. Das mitgelieferte „SuperCharge“-Netzteil bietet eine Leistung von maximal 40 Watt und pumpt das Smartphone in 90 Minuten voll.

Huawei P40 Pro

Sicherheit und die hart diskutierte Software

Huawei verbaut seinen schnellen und zuverlässigen Fingerabdrucksensor unter dem Display, der nach eigenen Angaben um 30 Prozent in der Größe angewachsen sein soll. Unseren Empfindungen nach, bedarf es noch die gleiche Genauigkeit mit der der Finger zum Entsperren positioniert werden muss. Als weiteres biometrisches Sicherheitsfeature steht der Face Scan zur Auswahl. Auch er arbeitet sehr zuverlässig und kann zusätzlich für ein dauerhaft eingeschaltetes Display sorgen, sofern der Bildschirm aktiv vom Nutzer angeschaut wird.

 

Ein Google Sicherheitsfeature wurde aber aufgrund der bekannten Umstände ein wenig umgewandelt. Die Rede ist von dem Installieren von Apps aus unbekannten Quellen. Ohne Google Play Store ist dies aber auch gar nicht anders möglich. Also lässt Huawei den Haken hinter „Apps aus externen Quellen prüfen“ automatisch setzen, was uns im Grunde zum eigentlichen Thema unseres Review führt:
Wie weit ist Huawei mit seinen eigenen Mobile Services und der AppGallery als Play Store Alternative?

Dafür habe ich mir einfach mein privates Smartphone genommen und einmal geschaut, welches die am häufigsten genutzten Anwendungen sind. In meinem Fall waren das Chrome, Gmail, Google Analytics, Slack, Zoom, Plume, Dropbox, Spotify, Facebook, der ES Explorer und KeePass2Android – ein Passwort-Manager der für Android und dem Windows-PC funktioniert.

Keepass2Android
Keepass2Android
Preis: Kostenlos

Ihr werdet es euch vermutlich schon denken können: Die einzige App welche direkt zu installieren wäre, ist Facebook. Plume und Spotify wurden auch von Huawei als wichtige Anwendungen erkannt und dürfen auf eine Wunschliste hinzugefügt werden.

Deutlich effizienter ist da schon die Drittanbieter-Anwendung „AppSuche“ von Rafael Miranda. Wenn er kein portugiesischer rechter Flügelspieler beim Fußball ist, so ist über ihn relativ wenig bis gar nichts bekannt. Vermutlich wird das auch aus rechtlichen Gründen für Huawei weiterhin so bleiben. Mehr möchten wir zu dem Thema nicht spekulieren. Diese Anwendung zeigt sich als mächtiges Schwert, da es als Quellen den Amazon App-Store, APK-Pure, Aptiode und die Datenbank von APK-Mirror durchsucht und meist auch fündig wird.

Als dritte Alternative bietet Huawei die hauseigene App „Phone Clone“. Hier werden Fotos, Videos, Kontakte und eben auch Anwendungen – egal von welchem Basis-Smartphone – einfach kopiert. Das kann also auch ein iPhone sein. Anwendungen, welche die Googles Mobile Services erfordern, werden in der Regel nicht geklont. Aber auch hier kam es zu Fehlern wie beispielsweise der App Pokémon GO.

Diese Art Flickenteppich zur Beschaffung von Android-Anwendungen kann jedoch keinem durchschnittlichen Anwender abverlangt werden. Unabhängig davon, dass es nicht nur mit einem hohen Sicherheitsrisiko verbunden ist, es fehlt auch der Service des Google Play Store, der die Anwendungen regelmäßig mit einem vorhandenen Update versorgt. Unterm Strich sind zwar die Investitionen und Bestrebungen von Huawei erkennbar, aber nach wie vor nur für echte Huawei-Fans zu empfehlen.

Fazit des Huawei P40 Pro

Das Huawei P40 Pro ist ohne Frage ein echtes Flaggschiff. Material, Verarbeitung, verbaute Technik und vermutlich auch die aktuell beste Smartphone-Kamera am Markt rechtfertigen durchaus einen Preis von knapp 1.000 Euro. Das vorinstallierte Android 10, inklusive EMUI 10.1 Benutzeroberfläche in der Android Open Source-Variante, also ohne Google Dienste und Zugang zum Play Store, sind nach wie vor ein echter Flickenteppich, der sichtlich der fehlenden Zeit geschuldet ist.

Huawei P40 Pro

Huawei ist erkennbar bemüht. Die Milliarden schweren Investitionen sind zum zurückliegenden Test des Mate 30 Pro deutlich erkennbar. Wenngleich nur für Google-Gegner oder der Huawei-Fanbase hierzulande zu empfehlen. Der aus unserer Sicht schnellste Ausweg aus dieser Lage wäre die Verfügbarkeit der Google Anwendungen in der Huawei AppGallery, wie sie auch Apple im App Store gewährt werden. Doch ob wir das noch erleben dürfen bleibt fraglich.

Zum jetzigen Zeitpunkt hat das Huawei P40 Pro bei einem Preis von 999 Euro in Anbetracht von Mitbewerbern wie dem OnePlus 8 Pro, dem Realme X50 Pro oder einem in Kürze erwarteten Vivo X50 Pro das Nachsehen. In sofern ihr noch den Überblick behaltet.

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Test Huawei P40 Pro
  • 8.8/10
    Hardware - 8.8/10
  • 9.5/10
    Verarbeitung - 9.5/10
  • 3.5/10
    Software - 3.5/10
  • 8.1/10
    Performance - 8.1/10
  • 9.5/10
    Kamera - 9.5/10
  • 6.9/10
    Akku - 6.9/10
  • 7.9/10
    Preis/Leistung - 7.9/10
7.7/10

Kurzfassung

Keine Frage, das Huawei P40 Pro macht seinem Namen als Flaggschiff alle Ehre. Weder an der Verarbeitung, der Haptik oder der Performance gibt es etwas zu meckern. Im Gegenteil: Die Leica-Quad-Kamera gehört aktuell zu den besten Smartphone-Kameras am Markt.
Die Achilleus-Ferse ist jedoch der US-Bann, der die Google Mobile Services samt Play Store in weite Ferne rücken lässt. Huawei ist mit den eigenen Mobile Services und der AppGallery bemüht – am Ende ist es aber für den Otto-Normal-Nutzer zu kompliziert durch „Phone Clone“, „AppSuche“ und den alternativen Store-Angeboten seine Anwendungen zu finden, sodass eine Empfehlung nach wie vor ausbleibt. – Schade!

MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

2 Gedanken zu „Huawei P40 Pro im Test: Wie gut geht es ohne Google-Garantie

  • 22. September 2020 um 22:30
    Permalink

    Na ja, ich habe das P40 Pro Plus und bin rundum zufrieden. Ich habe Phone Clone genutzt und das Ergebnis ist sehr gut. Selbst Google Maps funktioniert. Ich sage mal grob, 90% der Apps funktionieren einwandfrei. 5% meckern, aber funktionieren. Für 5% musste ich Alternativen suchen, oder auf den Browser zurückgreifen (EBay). Ich habe eine kostpflichtige E-Mailadresse und lasse darüber Kontakte und Termine abgleichen. Ist sicherer. Daher konstatiere ich, dass ich sehr, wirklich sehr wenig Probleme habe. Ok, ich geh auf die Sechzig zu und zocke nicht. Auch mit Bezahlen per Handy habe ich es nicht so. Meine EC-Karte ist schneller gezogen als das riesige Handy aus der Hosentasche gefummelt. Daher sind für mich Spiele und Google Pay unwichtig.
    Ich bin also zufrieden.

    Antwort
    • 23. September 2020 um 6:42
      Permalink

      Hallo Bernhard,

      freut mich das es bei dir so passt. Huawei hat auf jeden Fall ein wenig Kunden-Support verdient. Hoffen wir, dass der US-Bann mit einem Regierungswechsel (Trump/Biden) bald ein Ende hat.

      Antwort

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